
Wenn Biker auf Wanderer treffen gibt es Zoff. Teleskopstöcke landen in den Speichen, Fäuste werden gehoben, verbale Unschönheiten fliegen wie Fetzen durch die Luft! Das gehört zum Glück der Vergangenheit an. Unterdessen vertragen wir uns gegenseitig sehr gut. Oft ist der Biker beim nächsten Mal ein ganz “normaler” Wanderer oder umgekehrt. Quasi ein polysportiver Naturliebhaber, oder so!!!
Genau diese Gegebenheit hat uns motiviert ein Kombiangebot auszuschreiben. Unsere Gäste konnten täglich neu wählen zwischen einer geführten Wanderung oder einer geführten Biketour. Je nach Angebot, Lust und Laune. Zudem konnten Paare teilnehmen, bei denen zum Beispiel der Mann als Biker unterwegs ist und die Frau lieber auf Wanderungen geht.

Auch die körperliche und geistige Erholung darf nicht zu kurz kommen. Daher bot unsere Wanderleiterin und Yogalehrerin, Andrea Bader, täglich zwei mal wohltuende Entspannungsmomente an. Sport, Naturerlebnis und Erholung. Das war die Trilogie dieser Woche im Val Müstair.

Der Schnee hat sich etwas früher gemeldet als wir hofften. Daher verlegten wir die meisten Touren ins benachbarte Vinschgau. Dort war noch angenehmer Herbst mit vielen bunten Farben. Das Val Müstair hingegen verzauberte uns mit den frisch verschneiten Bergen und den golden leuchtenden Lärchen. Wer muss da noch ins Ausland reisen für den sogenannten “Indian Summer”?! Wir haben ihn bei uns im Kanton, quasi vor der Haustür…und das mindestens so beeindruckend.
Eine rundum gelungene Woche, die für`s nächste Jahr schon wieder gesichert ist.
Das Fazit vorweg: Wieso ich 30 Jahre alt werden musste, bis ich diese super coole Tour endlich in Angriff nahm? – keine Ahnung! An diesem herbstlichen Sonntag Morgen gings los. Von Chur aus kann man die Beine nur kurz warm-strampeln. Ab Haldenstein geht’s bergauf, 1′600 Höhenmeter. Zur SAC-Hütte Calanda führt eine sehr gute Alpstrasse hinauf, mal steil, mal flach steigend. Und zwischendurch immer wieder prächtige Panoramablicke nach Chur. Wer bis zur oberen Alp, ca. 100 Höhenmeter unterhalb der SAC-Hütte, noch Reserven hat, der macht sich bereit für einen steilen und steinigen Schlussspurt! Oben angekommen genossen wir bei einer Gerstensuppe ein fantastisches Panorama sowie einen Blick auf den Gipfel des Haldensteiner Calandas. Den Nussgipfel als Dessert lehnten wir dankend ab – denn wir wussten: Das wirkliche Dessert heute ist die 1′600 Höhenmeter Abfahrt auf feinsten Trails! Mann, einfach Weltklasse!
Für den Sonntag hatten Beni und ich eine Tour vom Ofenpass ins Val Mora vorgenommen. Ohne einmal auf die Karte zu schauen, bin ich Beni gefolgt. Ich hatte mich auf eine „easy“ Tour vorbereitet. Tja, ich wurde eines Besseren belehrt – denn der erste Aufstieg ab Buffalora war mir zu steil und meine Räder drehten durch, sodass ich mein Bike stossen musste. Das Maulen habe ich mir mit grosser Mühe verkniffen. Auf der Höhe angekommen wurden wir aber für die Strapazen entschädigt. Das Panorama Richtung Italien, ins Val Müstair und zum Ofenpass war überwältigend. Weiter fuhren wir auf einem technisch anspruchsvollen Trail zur Alp Mora hinunter. Richtung Lago di Livigno führt ein toller Traill entlang des Flusses zum Lago di Livigno. Und da wir ja runter fuhren, mussten wir auch irgendwo wieder hoch. Beim See war es dann soweit. Beni behauptet zwar steif und fest, dass es nur 300 Höhenmeter sind, aber ich bin mir sicher, dass dies mindestens 1000 sind. Auf alle Fälle musste er mich die letzten Meter stossen und mein Stolz war dahin. Doch oben angekommen, war ich dann doch ein bisschen stolz aber vor allem froh angekommen zu sein. Das letzte Stück ging dann nur noch runter, toll!
Heisse Luft nennt man oft bedeutungsloses Geschwätz. Doch heute erlebte ich sie ganz anders: früh musste ich aus den Federn und auf nach Flims. Dort wurde gerade die 36. Internationale Alpine Heissluftballonwoche eröffnet. Nach einem Handschlag mit dem Team von Christian und Francis Horni aus Basel, gab’s ein paar Instruktionen. Dann machte sich das Team in der wunderbaren Morgenstimmung an die Vorbereitungen. Zuerst wurde der Ballon mit Luft gefüllt - rund 3500 Kubikmeter sind es, wenn er voll ist. Wie ein riesiger farbiger Wal lag der Ballone auf der Wiese.

Dann wurde die Luft aufgeheizt und der Ballon richtete sich auf - und schon stiegen wir in den Korb. Nochmal kräftig heizen und schon hebte sich der Ballon ganz unspektakulär in die Luft.

Oben überraschte mich die Stille und die scheinbare Bewegungslosigkeit des Ballons. Ich fühlte mich wie auf einer mobilen Aussichtsplattform. Francis versuchte durch Steigen oder Sinken günstige Windströmungen zu nutzen, die einzige Möglichkeit für den Ballonfahrer Einfluss auf das Fahrtziel zu nehmen. Mit aller Zeit der Welt glitt der Ballon über die Wälder und Seen von Flims. Fast ein bisschen ein zeitloser Zustand - aber nur fast: Die Fahrt verging leider wie im Flug (im wahrsten Sinne des Wortes) - und nach anderthalb Stunden setzte Francis zu einer wunderbar sanften Punktlandung an.

Der letzte Tag unserer Filmaufnahmen war mit der längste und mit der eindrucksvollste. Frühmorgendliches Aufstehn vor 5 Uhr, um Aufnahmen bei Sonnenuntergang einfangen zu können, daran kann man sich einfach nicht ohne Defizite gewöhnen. Zumal nach einer nicht mal 5-stündigen Ruhephase, denn erst spät nachts waren wir - einige mit einem kleinen Umweg über Bergün - in Davos angekommen.
Tagsüber wurden wir von gewaltigen Regengüssen mehrmals vertrieben, mal ins Innere der Bergstation, mal in ein urgemütliches Monsteiner Gasthaus. Jedesmal gab es jedoch anschliessend Sonne und damit wunderbare Lichtverhältnisse für ebensolche Filmaufnahmen.
Der krönende Abschluss bildete der spätnachmittagliche Trail über den Pischagrat, den wir zusammen mit einigen Locals der Davoser Bikeszene absolvieren durften. Während die Crew bei optimalen Lichtervältnissen die allerletzten Aufnahmen der Woche drehte, fuhr ich schon mal Richtung Hüreli voraus und stand plötzlich vor der eindruckvollsten Szenerie der letzten Tage. Nein, keine Biker, keine Wanderer, sondern eine kleine Herde von Pferden, die, so plötzlich wie sie vor mir standen, auch wieder verschwunden waren.
Geschrieben von: Georg Deck, Heidelberg









