Der Piz Bernina ist der östlichste Viertausender der Alpen (4049 m ü. M.), der einzige der Ostalpen und der dominanteste Berg der Schweiz. Liegt es daran, dass man von seinem Gipfel den Dom von Mailand sehen kann, wie die Legende sagt? Oder am Superlativ "Festsaal der Alpen"? Legende hin oder her - die Aussicht vom Piz Bernina ist grandios. Man sieht Berge und Täler - von Graubünden bis ins Tirol und ins Südtirol (Gran Paradiso) sowie über die Innerschweiz bis zur Barre des Ecrins, dem südlichsten Viertausender der Alpen.
Wer die Himmelsleiter erklimmen will, muss tief unten beginnen. Dort nämlich, wo der innere Faulpelz überwunden werden muss, wenn frühmorgens um 03.00 Uhr der Wecker in der Tschiervahütte rasselt. Nach einem kurzen Frühstück tappt man im Dunkeln, nur im schwachen Licht flackernder Stirnlampen, auf einem Geröllweg aufwärts. Das Ziel ist nicht sicht-, nur spürbar - der Berg. Unter der Fuorcla Prievlus wird es hell.
Nach einigen hundert Höhenmetern Aufstieg steht man am Beginn des vielgepriesenen, vielgelobten Biancogrates, von dem es heisst, er gebe eine der allerhöchsten Grattouren der gesamten Alpen ab. Weiss, elegant geschwungen, makellos zieht sich der Firngrat in den tiefblauen Himmel. "Himmelsleiter" nennen ihn poetisch die Bergsteiger. Abgründe links und Abgründe rechts steigt man auf dem schmalen Grat aufwärts, immer einen Fuss vor den anderen setzend. Die Steigeisen knirschen im Firn, der Pickel gibt Halt am Biancograt.
Auf dem Piz Bianco endet der Firngrat, und die felsige Berninascharte muss überklettert werden. Nach dem Erklimmen des letzten Gratturms erreicht man nach fünfstündigem Aufstieg den Gipfel vom Piz Bernina, 4049 m ü. M. - Graubünden liegt zu Füssen. Willkommen auf dem Dach Europas.
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Die Kunde von der Erstbesteigung durch Johann Wilhelm Fortunat Coaz und seinen beiden Messgehilfen, Johann und Lorenz Tscharner, am 13. September 1850, löste im In- und Ausland grosse Anerkennung für diese Leistung aus.
Coaz hatte die Fahrt im Auftrag des Kantons Graubünden zu Vermessungszwecken ausgeführt. Zu dieser Zeit war der Berg noch namenlos und Coaz nannte ihn spontan Piz Bernina. Im Allgemeinen war es damals nicht Sache der Bevölkerung, sich in der Hochgebirgs- und Gletscherwelt aufzuhalten. Zu gross war die Angst der durch Überlieferung erzählten Schauergeschichten, von Teufeln und Dämonen, die in den Gletschern hausten und dort ihr Unwesen trieben.
Verwunderlich war das nicht, wenn man auch heute noch hört, wie dort die Donner krachen, die Wildbäche tosen und die Schnee- und Eislawinen zu Tale donnern. Beinahe wäre es anfangs der Dreissiger-Jahre um den Piz Bernina zum «Sündenfall» gekommen. Damals war zu diesem stolzen Gipfel der Bau einer Bahn geplant.
Ausgangspunkt wäre die Station Morteratsch gewesen. Als Zwischenstation war der Piz Chalchagn vorgesehen und von dort aus war eine Tunnelvariante zum Piz Bernina beabsichtigt. Beide beteiligten Gemeinden, Pontresina und Samedan, schmetterten das Projekt aus Gründen des Heimatschutzes ab.
Die Albula- und Berninastrecke der Rhätischen gehört zu den spektakulärsten Alpenquerungen. Ein besonderer Hochgenuss ist die Panoramafahrt im Bernina Express – vorbei an Gletschern, hinunter zu den Palmen. 55 Tunnels, 196 Brücken und Steigungen von bis zu 70 Promille meistert der Zug mit Leichtigkeit.
Auf 2'253 Metern über Meer thront das Dach der RhB, Ospizio Bernina. Der Bernina Express führt über die höchste Bahnlinie der Alpen. Er verbindet den Norden mit dem Süden Europas, schlägt Brücken zwischen Sprachregionen und Kulturen. Seit dem Sommer 2008 gehört die Strecke von Thusis bis Tirano zum UNESCO Welterbe.