Nur die Crème de la Crème bleibt übrig.

Unterwegs mit Aldo Tuor, Golfcaddy der ersten Stunde

Aldo Tuor
Aldo Tuor, in seinem früheren Leben Banker und Gemeindepräsident in Disentis, ist seit neustem Golfcaddy in Graubünden. Er ist für seinen neuen Job gewappnet. Die Bündner Golfacademy hat ihn auf die nicht alltägliche Arbeit vorbereitet.  

Von Silvia Mettler

Pünktlich um 10.00 Uhr steht der muntere Rentner vor dem Golfplatz Buna Vista in Sagogn. Gut gelaunt und bereit, seinen ersten Auftrag anzunehmen. Und sofort inspiziert er meine Golfausrüstung. Lässt sich die Golftasche mühelos tragen oder ist ein Wägelchen besser? Wohlweislich wurde der Inhalt meines Bags in letzter Minute von alten Golfbällen, unnötigen Kleidern und schweren Wasserflaschen befreit. Man will den Caddy nicht unnötigerweise (über) belasten. Für Aldo aber alles kein Problem. Vergnügt buckelt er die Tasche und marschiert – und ich im Schlepptau – Richtung Driving Range. Die ersten Bälle sind gespielt und nichts deutet darauf hin, dass ich heute allenfalls ein anständiges Golf zeigen könnte. Aldo muntert mich auf: «Das kommt schon gut.»

Aldo zeigt, erklärt und erzählt

Wir sind bei  Loch 1. Die Sonne zeigt sich just in diesem Moment und löst sich von den lästigen Quellwolken. Ob Aldo auch noch einen direkten Draht zum Himmel hat? Der erste Schlag und schon gibt’s Komplimente von meinem Taschenträger, der selbst in der Woche zweimal Golf spielt. Die Aussicht von Loch 1 ist schon mal fantastisch. Der Platz ist eingebettet in die liebliche Surselva Gegend. Blau, weiss und grün in allen Facetten. So sieht es im Mai aus. Der Schnee auf den Gipfeln bietet einen wunderschönen Kontrast mit dem satten Grün der Wiesen und den gelben Löwenzahlfeldern. All die bekannten Maler wie Segantini, Giacometti oder Carigiet konnten dieser Bündner Farbenpracht nicht widerstehen. Wir aber konzentrieren uns auf weiss. Den kleinen weissen Ball, der nun über die weiten Fairways 18 kleine Löcher finden soll.

Buna Vista Golf Sagogn

Praktisch und bequem

Der 71-jährige Aldo zeigt, erklärt und gibt Tipps. Und nicht nur auf dem Fairway. «Da ist der Piz Mundaun, man nennt ihn auch die Bündner Rigi.» Praktisch, so ein Caddy. Ohne mühsam den Wagen zu stossen oder die Tasche tragen zu müssen über die herrlichen Fairways zu spazieren und noch viel über Region und Leute zu erfahren, macht besonders Spass. Und dann dies: auf Loch 8 ist es so weit! Mit dem ersten Schlag auf einem Par 3 ein Meter vor dem Loch. «Das gibt ein Birdie», freut sich Aldo schon. Und tatsächlich. Es ist geschafft. Jetzt packt dann ein gut geschulter Caddy das Birdie-Wasser aus. Weit gefehlt. Aldo etwas beschämt. «Nein, ich habe keines dabei», und liefert dann aber auch die Begründung nach: «In Zeiten von Corona ist dies nicht erlaubt.» Wohl in der Academy gelernt?  

Golf

Rätoromanischkurs inklusive

Aldo durchlief anfangs Saison die erste Caddy Academy von Graubünden. «Nur die Crème de la Crème bleibt übrig», heisst es im Werbefilm. Aldo gehört definitiv dazu. Er hat seine Caddy-Fibel immer dabei. Das hat der Vater eines Sohnes und zweifache Grossvater auf der Runde bewiesen. Ein Gentleman durch und durch und ein guter Supporter obendrauf. In seiner Freizeit betreut er auch seine Enkelin Gianna (18), die auf dem Weg zu einer Skikarriere ist. Das spürt man. Er ist ein guter Motivator. Ein Bündner Caddy kann aber noch mehr. Sie verraten die besten Rezepte für Capuns, Maluns und andere Bündner Spezialitäten oder sie lehren dich ein paar Brocken Rätoromanisch. Aldo erklärt: «Jeu vess bugen ina tuorta da nuschs.» Was so viel heisst wie: ich möchte eine Nusstorte kaufen. Das könne ich dann im Kloster Disentis anwenden. Dort gebe es nämlich die besten. Geheimtipps gehörten zum Service der Caddies, die notabene gratis in Graubünden angeboten werden. Die muntere Runde neigt sich dem Ende zu. Caddies im Ausland leben von den Trinkgeldern. Einem ehemaligen Banker und Gemeindepräsidenten ein Trinkgeld zuzustecken, das passt jetzt wirklich nicht. Zum Glück habe ich vorgesorgt und ein Fläschchen Bierbrand aus meiner Gegend eingepackt. Jetzt kann Aldo beim nächsten Birdie das edle Wasser zücken und arriviert so definitiv zum perfekten Top-Caddy.

Aldo Tuor Golfcaddy
Aldo Tuor Golfcaddy

Übernachten im Hotel Postigliun in Andiast

Die Surselva ist als Golfdestination ideal. In Domat Ems und in Sagogn gibt es je einen 18-Loch-Platz. Gemütlich ist es in Brigels und Sedrun, wo sich je ein 9-Loch-Platz befindet. Idealer Ausgangspunkt zu diesen Golfplätzen ist das Hotel Postigliun in Andiast. Da kocht der leidenschaftliche Golfer und begnadete Koch Guido Sgier mit seinem Sohn Sandro auf höchstem Niveau. Ein paar Beispiele gefällig? Schaumiges Bärlauch-Süppchen, geschmorte Rindshuft, Erdbeersoufflé und vieles mehr. 15 Gault Millau Punkte dekorieren seine Küche, wo Mama Corina Sgier für einen ebenso freundlichen wie familiären Service sorgt. Die attraktive Golfpauschale macht den Ausflug ins Bündnerland perfekt.

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Während der Golfsaison 2021 lässt Graubünden die Caddies hochleben: Nebst Tipps für mehr Erfolg auf dem Platz nehmen Sie die Caddies mit auf Ausflüge in der Region.

Während der Golfsaison 2021 lässt Graubünden die Caddies hochleben: Nebst Tipps für mehr Erfolg auf dem Platz nehmen Sie die Caddies beispielsweise mit auf eine Wanderung zum Bergsee, für eine Tai Chi-Lektion nach einer Runde auf dem Green oder für einen Rätoromanisch-Crashkurs beim Abschlag.

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Autorin.

Silvia Mettler

Silvia Mettler spielt gerne Golf. Neben ihrer Arbeit als Kommunikationsberaterin, bereist sie die Welt und veröffentlicht Reisereportagen.