Skifahren in zwei Kantonen.

Unterwegs in der SkiArena Andermatt-Sedrun

Franco Furger beim Skifahren in der SkiArena Andermatt-Sedrun (Foto: ©️ Franco Furger)
Zwei Kantone, zwei Kulturen, eine SkiArena. Seit dem Winter 2018/19 kann man von Andermatt nach Sedrun und wieder zurückfahren. Auf Ski und Snowboard versteht sich. Ein Augenschein im nun grössten Skigebiet der Zentralschweiz.

Von Franco Furger

Die neue 10er-Gondelbahn rollt sanft in die Bergstation auf 2600 Metern über Meer. Bereits das Aussteigen macht uns Eindruck. Das Gebäudeinnere ist stilvoll mit Holzbrettern verkleidet, minimalistisch und zweckmässig gestaltet, aber nicht bieder und kalt wie in anderen Bahnanlagen. Hier wurde richtig investiert, nicht pompös, wie vielleicht unten im Tal, sondern der sensiblen Berglandschaft angepasst.

Die Gondelbahn «Schneehüenerstock-Express» (Foto: ©️ Franco Furger)

Grosses Skigebiet, einfache Orientierung

Draussen zeigt uns eine Panoramatafel, wo wir sind: auf dem Schneehüenerstock mitten in der neuen SkiArena Andermatt-Sedrun. Sich in diesem grossen Skigebiet zu orientieren, ist leicht, da die Pisten und Anlagen alle am gleichen Bergkamm liegen. Entweder man hält sich links oder man hält sich rechts, verfahren kann man sich kaum. Wir sind in Andermatt im Kanton Uri gestartet und halten uns links Richtung Oberalppass und Graubünden.

overview board in the SkiArena Andermatt-Sedrun (Photo: ©️ Franco Furger)

Die Hänge sind frisch verschneit, es ist der erste schöne Tag nach einer stürmischen Periode. Doch die Sonne brennt stark, die Temperaturen sind zu hoch für die Jahreszeit. Der Schnee ist entsprechend weich und vor allem neben der Piste bereits pappig. Trotzdem zeichnen Freerider eine Linie nach der anderen in den jungfräulichen Schnee.

Wichtiger Lebensraum für Schneehühner

Plötzlich erblicken wir einen Hang mit erst zwei Spuren. Die Neigung ist moderat, sodass auch wir eine Fahrt im frischen Schnee wagen wollen. Doch ein Seil mit Verbotsschildern hält uns davon ab: Wildruhezone! Hier ist ein wichtiger Lebensraum für Schneehühner. Nun wissen wir auch, woher der Berg mit dem mächtigen Felsturm seinen Namen hat.

the "Schneehüenerstock" (Photo: ©️ Franco Furger)

SkiArena im Herzen der Schweiz

Wir verzichten auf die Abfahrt im Tiefschnee und lassen stattdessen die hochalpine Landschaft auf uns wirken. Die schroffen Felswände und Zacken des Schijenstocks und Schneehüenerstocks sind zum Greifen nah, auf der anderen Seite schweift der Blick über unzählige Gipfel und Gletscher. Westlich erkennen wir die Kabinenbahn, die auf den Gemsstock führt, östlich den Oberalppass und den ersten Lift von Sedrun. Arena ist wahrlich der passende Ausdruck für diese zusammenhängende Skiregion im Herzen der Schweiz.

panorama in the SkiArena Andermatt-Sedrun (Photo: ©️ Franco Furger)

Wo Graubünden ans Urnerland grenzt

Als nächstes fahren wir die Piste Hinter Felli. Nach einer Traverse öffnet sich der Hang und wir geniessen die lange Abfahrt hinunter zum Oberalppass, wo das Urnerland an Graubünden grenzt. Das umliegende Gelände ist steil und felsdurchsetzt. Deshalb kommt es regelmässig vor, dass die Piste am Nachmittag, wenn die Sonneneinstrahlung am stärksten ist, wegen Lawinengefahr gesperrt ist. Die Verbindung zwischen Andermatt und Sedrun ist trotzdem gewährleistet, statt auf der Piste einfach mit dem Schneehüenerstock-Express.

Sieben neue Anlagen gebaut

Die moderne Gondelbahn ging im Dezember 2018 in Betrieb, als letzte Anlage des Verbindungprojekts zwischen Andermatt und Sedrun. Das betreffende Gebiet am Oberalppass wurde mit insgesamt drei neuen Bahnen erschlossen. Zudem wurden vier neue Anlagen erstellt, um alte Lifte zu ersetzen. Und auch die maschinelle Beschneiung wurde umfassend ausgebaut. 

view to the Oberalppass from the slopes «Hinter Felli» (Photo: ©️ Franco Furger)

Vier Jahre haben die Bauarbeiten gedauert, um die Skigebietsverbindung zu realisieren. Entstanden ist die grösste und derzeit modernste Skiregion der Zentralschweiz. 25 Transportanlagen, 67 Pisten, 34 Bergrestaurants lauten die eindrücklichen Zahlen dazu, die Gebiete Gemsstock und Disentis mitgerechnet.

Eine Milliarde investiert

Hinter den enormen Investitionen steht der ägyptische Unternehmer Samih Sawiris, der in Andermatt ein gigantisches Tourismusprojekt verfolgt und entwickelt. Rund eine Milliarde Schweizer Franken sollen bislang investiert worden sein, nicht nur auf dem Berg, sondern vor allem in neue Hotels wie das The Chedi oder Radisson Blu und in die allgemeine Dorfinfrastruktur.

Die Bergstation des «Schneehüenerstock-Express» (Foto: ©️ Franco Furger)

Bequem auf die Anhöhe Calmut

Nach einer Stärkungspause im Restaurant Alpsu steigen wir auf den Oberalp-Flyer, eine 6er-Sesselbahn im Porschedesign. Wir befinden uns nun im Sedruner Teil der SkiArena und lassen uns bequem und schnell auf die Anhöhe Calmut (2350 m) schaukeln. Die weisse Pyramide, die wie ein Wächter zwischen Uri und Graubünden steht, konnten wir schon von weitem sehen. Es ist der perfekte Skiberg mit idealer Hangneigung.

With a steep piste towards Sedrun: You can see the hill Calmut from far away ( Photo: ©️ Franco Furger)

Die Piste führt uns in eine enge Talsohle, wo links und rechts ein Sessellift hochführt. Nun merken wir, dass hier nicht erst seit zwei, drei Jahren Ski gefahren wird. Die Lifte haben ein älteres Baujahr, die Sessel sind fix ans Seil geklemmt und das Aufsitzen erfolgt mit Hilfe eines Förderbands.

Die zwei Schneepyramiden von Sedrun

Im gemächlichen Tempo erreichen wir die Anhöhe Cuolm Val (2215 m), die zweite Schneepyramide des Skigebiets Sedrun. Hier öffnet sich der Blick in die Surselva, die Berglandschaft ist nun sanfter und weniger schroff. Und von hier kann man in einem Zug bis nach Sedrun-Dieni (1500 m) fahren.

On a wide, broken piste to Sedrun (Photo: ©️ Franco Furger)

Plötzlich Romanisch

Die Piste ist breit und herrlich kupiert, flache und steile Abschnitte wechseln sich ab – bis jetzt unsere Lieblingspiste, sodass wir sie gleich nochmals fahren. Bei der zweiten Fahrt legen wir eine Pause in der Skihütte Tegia Las Palas ein und geniessen den Blick über die Siedlung Milez. Das Flair ist hier anders als auf der Seite Andermatt, wo alles urban und modern gestylt ist. Wir mögen das Traditionelle und Rustikale lieber und erfreuen uns, wenn die Leute Romanisch reden.

Blick auf die Siedlung Milez und den Piz Máler

Blick auf die Siedlung Milez und den Piz Máler (Foto: ©️ Franco Furger)

Die Uhr zeigt bereits 15.30 Uhr an. Eigentlich wollten wir noch weiter ins Skigebiet Disentis, das man seit diesem Winter mit einer neuen Pendelbahn von Sedrun-Dorf aus erreichen kann. Doch dafür reicht die Zeit nicht mehr.

Ein Leben reicht nicht

Wenn man viel fotografiert und einige Pisten mehrmals fährt, ist ein Tag viel zu kurz, um die ganze Skiregion zwischen Andermatt, Sedrun und Disentis zu entdecken. Also steigen wir in Sedrun-Dieni in den Zug, der uns wieder zurück nach Andermatt bringt. Beim Betrachten der vorüberziehenden Berglandschaft denken wir: Wahrscheinlich reicht ein ganzes Leben nicht aus, um diese Region im Herzen der Schweiz zu entdecken.

Abendstimmung auf den Pisten von Sedrun (Foto: ©️ Franco Furger)

Fazit

Neben der imposanten Landschaft haben uns die modernen Anlagen, die minimalistische, aber gute Beschilderung und die weiten Strecken, die man innert Kürze absolvieren kann, beeindruckt. Sedrun liegt mittendrin in diesem Winterwunderland und bietet direkten Zugang in die SkiArena bis nach Andermatt wie auch ins Skigebiet Disentis ­– definitiv ein guter Ort, um Skiferien zu verbringen. Um die Verbindung zwischen Andermatt und Sedrun zu fahren, sollte man jedoch sicher auf den Ski stehen.

Franco Furger

Autor.

Franco Furger

Franco Furger ist in Pontresina aufgewachsen. Als Profi-Snowboarder tourte er um die Welt. Später liess er sich zum Journalisten und Texter ausbilden. Zurzeit arbeitet er als freischaffender Texter und Konzepter.