Auf dem Dach Europas.

Juf/Avers

Hochtal Avers
Jahrhunderte lang galt das von Walsern besiedelte Avers – sie kamen vom Tessin – als «vergessenes Tal». Heute leben noch 22 Avner im hintersten Weiler Juf – auf 2126 Metern. Es ist die höchstgelegene ganzjährig bewohnte Siedlung in Europa.
Winterlandschaft Juf/Avers

Im Avers sind die Winter hart und dauern manchmal ein halbes Jahr. Wer hier lebt, muss die kalte Jahreszeit mögen. Mangels genügend Holz haben damals die Bewohner zu einem einfachen und erst noch billigen Trick gegriffen: Sie haben Schafmist zu Bauziegel-ähnlichen Formen («Bletscha») gepresst. Diese haben sie zwei Jahre lang zum Trocknen unter den Dächern aufgeschichtet und sie als Briketts zum Beheizen ihrer Öfen gebraucht.

Winterlandschaft Juf/Avers

Klein aber stolz  stehen sie da – über der Waldgrenze – die zwei kleinen Heuschober. Bei den Avnern heissen sie «Berggädemli». Dort wurde nach der Ernte das Heu gelagert. Im Winter schnürte man es zu riesigen «Pünkel» (Ballen). Diese «Fresspakete» für Rindviecher, Schafe und Ziegen sausten dann auf dem Schnee in höllischem Karacho zu Tale. Es konnte aber auch vorkommen, dass die Heulawine sich verirrte, und an einem «Gada» (Heustall) zerschellte. Als winterliches Tierpicknick.

Winterlandschaft Juf/Avers

Rasten Sie doch mal gemütlich an so eine Mauer gelehnt. Vielleicht fällt Ihnen auf, dass es in der ganzen Gemeinde Avers keine Disco, keinen Polizisten, keinen Arzt und auch kein Kino gibt. Und trotzdem fehlt es weder Ihnen noch den Einheimischen an etwas. Warum? Weil das Hochtal ein tolles Kontrastprogramm zum urbanen Leben bietet. Ohne Hast und ohne Eile. Burnout ist dort als Begriff noch nicht bekannt.

Winterlandschaft Juf/Avers

Wo steht wohl dieses mit Schindeln verkleidete Haus? Jedenfalls in einem der 11 Weiler des Avers. Deren Namen und die der Einzelhöfe zeugen heute noch von den alemannisch sprechenden ersten Siedler: Cröt, Hans Gräwisch Hus, Pürt, Uf der Furra, Loretsch Hus, Gorisch Hus, Podestatsch Hus. Dem originellen Charakter des walserischen Dialekts begegnen Sie auch bei den dortigen Flurnamen. Die auf 2‘600 Meter liegende Flur trägt den Namen «Jupper Oggsaalpelti»! Können Sie das fehlerlos nachsprechen?

Bauer in Juf/Avers

Der «Hitsch» (Christian) bringt die Milch vom Stall ins Heimetli. Die hauptsächlichsten Erwerbszweige der Avner Bevölkerung sind Landwirtschaft und Tourismus. Im Sommer ist das Tal beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen über verschiedene Pässe. Im Winter herrschen die Sportarten Langlauf und Skitourenfahren vor. Ein Tipp von Kennern, die es wissen: Die Berge von Avers sind im Frühling auch ideal, um mit Tourenskis bezwungen zu werden. Wollen Sie es wagen?