Wo Schönes entsteht.

Handweberei Tessanda

Handweberei Tessanda in Santa Maria im Val Müstair
Die Tessanda (von rätoromanisch «tesser» = weben) in Sta. Maria im Val Müstair ist eine der letzten grossen Handwebereien der Schweiz. Von den in diesem Betrieb beschäftigten zehn Personen sind zwei Lernende, die sich in der seit bald 90 Jahren bestehenden Textilmanufaktur in die Geheimnisse der überlieferten Webtradition einweihen lassen.
Handweberei Tessanda in Santa Maria im Val Müstair

Daran hätten verspielte Katzen ihre wahre Freude! Die Wolle, die in der Tessanda verarbeitet wird, stammt nicht aus dem Val Müstair, obwohl dort einige stattliche Schafherden gehalten werden. «Die Wolle unserer einheimischen Bergschafe ist viel zu rau», erklärt eine Mitarbeiterin. Auch das Färben muss man heute aus ökonomischen Gründen einem spezialisierten Betrieb überlassen.

Handweberei Tessanda in Santa Maria im Val Müstair

Es klappert und knarrt. Das ist die Melodie der Webstühle in der Tessanda. Sie sind teilweise schon 100 und mehr Jahre alt und wurden damals von Schreinern aus dem Tal gefertigt. Die hölzernen Apparate sind handwerkliche Schmuckstücke mit eigenen Namen. Sie heissen «Nepomuk», der «Hüter des Schweigens» oder «Mammut» – der grösste Webstuhl in der Manufaktur.

Handweberei Tessanda in Santa Maria im Val Müstair

Das «Schiffli» saust durch den «Zettel». In der Handweberei von Sta. Maria werden nur Garne aus reinen Naturfasern verwendet. Daraus entsteht das einstige Tuch, was wir heute Stoff nennen. Nicht nur Wolle und Leinen werden verarbeitet. Auch der feine Seidenfaden wird auf dem Webstuhl zum eleganten Accessoire.

Handweberei Tessanda in Santa Maria im Val Müstair

Ein Bild wie von Albert Anker gemalt. Eine junge Maid aus dem «Reich der Spindeln» im Val Müstair. Respektvoll befühlt sie das kostbare Produkt der Natur. In der Tessanda werden auch Teppiche hergestellt. Sie werden auf dem Mammut gewebt und verlassen das Haus mit einem Namen. Die rustikaleren heissen Armon und Men, die feineren Seraina und Annamengia. Annamengia heisst auch eines der Lehrmädchen. Es wird ihr Wissen in die Zukunft tragen, damit die Kunst erhalten bleibt.

Handweberei Tessanda in Santa Maria im Val Müstair

Das älteste Zeugnis der Handweberei im Tal stammt aus der Zeit um 800. Damals wurde das Kloster Müstair erbaut, das heute zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. In der Klosterkirche war ein Freskenmaler beschäftigt. Dabei hat er im weichen Malputz nicht nur Fingerabdrücke hinterlassen, sondern auch das Textilmuster seines handgewobenen Ärmels! Heute finden sie solche Textilmuster «made im 21. Jahrhundert» im hauseigenen Laden der Tessanda auf allerhand Gebrauchs- und Geschenksartikeln.

Mehr anzeigen
Wandern im Nationalpark

Region. Engadin Samnaun Val Müstair

Mehr anzeigen