Steinadler, Bartgeier und Co.

Vogelbeobachtung im Parc Ela

Wildbeobachtung Steinadler
Aufmerksam suchen fünf Augenpaare den Himmel ab. Irgendwo müssen sie doch sein, die Könige der Lüfte. Plötzlich zeigt Andreas Kofler auf die gegenüberliegende Bergflanke: «Schaut, dort über dem Gipfel, ein Steinadler!»
Parc Ela Savognin Wildbeobachtungen

Andreas Kofler führt die kleine Gruppe immer tiefer hinein ins Val Tuors. Das kleine Seitental bei Bergün kennen nur wenige. Ein Glück für Steinböcke, Gämse und Rothirsche aber auch für Steinadler, Bartgeier und Wanderfalken, die hier weitestgehend ungestört sind. Damit das weiterhin so bleibt, beobachtet Andreas Kofler «seine» Greifvögel aus weiter Ferne. Die modernen Feldstecher und Spektive (Fernrohre) machen’s möglich.

 

Bartgeier-Feder im Parc Ela

Weitere Adler, Falken oder Geier lassen sich in den nächsten Minuten nicht blicken. Zeit für etwas Theorie. Andreas Kofler zieht ein paar riesige Schwanzfedern und eine lange Schnur aus seinem Rucksack. «Halt bitte mal». Zusammen mit einem Buben zieht er die Schnur auseinander. Zwei Meter und 80 Zentimeter – die Spannweite eines Bartgeiers. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass sich der Aasfresser fast ausschliesslich von Knochen ernährt.

 

Wildbeobachtung Bartgeier Savognin

Dass Bartgeier harmlos sind, wusste im 19. Jahrhundert kaum jemand. Als «Lämmergeier» verschrien, wurde 1886 der letzte in der Schweiz getötet. Schade gab es damals noch keine geführten Wildbeobachtungstouren. Man hätte sich die Auswilderungen Ende der 1980er Jahre sparen können, wie Andreas Kofler berichtet, über dem wie aus dem Nichts eine grosse Silhouette am Himmel erscheint. «Weisses Gefieder, keilförmiger Schwanz – das ist ein Bartgeier», freut er sich.

 

Bartgeier

Gespannt schaut die Gruppe zum Himmel und folgt den weiteren Ausführungen des Ornithologen, der sich seit der Primarschule mit Vögeln befasst. Wenn immer möglich zieht er los und sucht in den Bergen nach seinen Lieblingen. Vermehrt auch mit Begleitung. Andreas Kofler schloss vor kurzem die Ausbildung zum Wanderleiter ab und konnte so seine Leidenschaft teilweise zum Beruf machen.