Graubünden Ferien Schweiz

Die Bifertenhütte in der Surselva

Ein Stück neue Hüttenwelt am Kistenpass

Bifertenhütte, Surselva

Seit Sommer 2018 führt das Hüttenwartpaar Mariana Barakchieva und Simon Roder die neu gestaltete Bifertenhütte oberhalb von Brigels. Ein Besuch lohnt sich aus vielen Gründen – der wunderschönen Natur, der neuen Räumlichkeiten, der diversen Wandermöglichkeiten, der traumhaften Aussicht und nicht zuletzt der bulgarischen Gastfreundschaft wegen.

Von Franco Brunner

Es ist ein starkes Bild, das sich einem in der Mitte der rund zweistündigen Wanderung von der Alp Quader her ziemlich unvermittelt eröffnet. Der imposante Tafelberg Kistenstöckli oder Muot da Rubi (2746 m ü. M.) zeigt sich vom einen auf den anderen Moment in seiner ganzen Pracht. Und links unterhalb des Berges ist auch bereits das Ziel der frühmorgendlichen Wanderung zu erkennen. Die zwischen dem Kisten- und dem Limmerenpass befindliche Bifertenhütte. Während der Muot da Rubi sozusagen der Hausberg der Bifertenhütte ist, ist der 3421 Meter hohe Bifertenstock ihr Namensgeber. Mit den Aufstiegsrouten über den Bänderweg und die Eisnase lockt der zweithöchste Glarner Gipfel erfahrene Alpinisten in die Höhe.

Ausschilderung zur Bifertenhütte

Von der Alp Quader her kommend, muss man indes alles andere als ein erfahrener Alpinist sein. Der Bergwanderweg ist stellenweise zwar etwas steil, jedoch überall in sehr gutem Zustand und somit ideal für eine gemütliche und kurzweilige Bergwanderung. Eine Bergwanderung, die mit ganz besonders vielen optischen Reizen aufwarten kann. So zeigt sich beispielsweise die Hütte des Akademischen Alpenclubs Basel (AAC) auf dem zweiten Teil dieser Route beinahe nach jeder Kurve aus einem anderen Winkel und somit in einem sich immer wieder verändernden Gesamtbild. Auf dem ausgedehnten Hochplateau auf 2482 m ü. M. oberhalb Brigels angekommen, sieht man die Bifertenhütte dann in ihrer vollen Grösse vor sich. Umgeben von einem imposanten Bergpanorama, das von der Silvretta bis zum Rheinwaldhorn reicht.

Vom Büro auf den Berg

Seit Anfang des Sommers 2018 ist just dieser besondere Flecken Natur Arbeitsplatz von Mariana Barakchieva und Simon Roder. Mit der Rolle als Hüttenwarte ging für das zuvor im Informatikbereich tätigen Berner Paars «ein Traum in Erfüllung», wie die gebürtige Bulgarin Mariana Barakchieva erzählt. «Die Berge waren für uns schon immer ein ganz spezieller Ort, und dass wir jetzt hier oben leben und arbeiten können, ist einfach toll», sagt sie.

Apropos Arbeit. Solche gab es bereits vor der Saisoneröffnung Anfang Juli 2018 mehr als genügend zu erledigen. Schliesslich hat die Bifertenhütte mit ihrem von den AAC-Hüttenverantworlichen Ulrike und Roman Hörler geleiteten Um- und Anbau mehr als nur ein kleines Facelifting hinter sich. Innen wurde die Hütte komplett neugestaltet und aussen wurde der bestehende Steinbauteil mit einem stimmigen, weil harmonisch wirkenden Holzanbau inklusive Panoramaterrasse ergänzt. Das mit rund 600’000 Franken budgetierte Projekt wurde unter anderem mittels Crowdfunding finanziert.

«Es war eine sehr intensive Zeit, die uns jedoch auch richtig viel Spass gemacht hat», blickt Hüttenwart Simon Roder auf die Umbauzeit zurück. Gelohnt hat sich der Aufwand allemal. «Die Rückmeldungen der Gäste sind durchwegs positiv», bestätigt Roder. Vor allem an den grossen Fenstern und des dadurch in die Hütte hineinfallenden Sonnenlichts würden sich die Besucher erfreuen.

An Besuchern mangelt es auch an diesem sonnigen Mittwochvormittag nicht. Immer mehr Wanderer treffen bei der Hütte ein und wollen sich mit einer Suppe, einem mit eigenem Quellwasser zubereiteten Sirup, selbst gemachtem Brot mit ebenso selbst gemachter Konfitüre oder mit anderen lokalen Produkten stärken.

Glücklicherweise weilen gerade die Schwester und die Mutter von Mariana Barakchieva ein paar Tage hier und können dem jungen Hüttenwart-Paar ein wenig zur Hand gehen. Sei dies durch die Aufnahme von Bestellungen oder durch das Kartoffelrüsten, dem Mutter Vaska Barakchieva auf der neuen Terrasse gerade entspannt und sichtlich zufrieden nachgeht. Nur Hündin Djenga scheint nicht wirklich in Arbeitslaune zu sein. Viel lieber sucht sich die gerade einmal vier Monate alte Dame ein schattiges Plätzchen hinter der Hütte und gönnt sich ein wenig Ruhe.

Vorbereitung vom Essen auf der Bifertenhütte Hündin Djenga auf der Bifertenhütte

Mit Wehmut talwärts

Momente der Ruhe erlebt man dann auch wieder beim Abstieg in Richtung Alp Quader. Begleitet von imposanten Bergpanoramen, atemberaubenden Talsichten und dem ständig wahrnehmbaren Kuhglockengeläut von der einen oder der anderen Talseite her kommend, geht der Marsch im Nu vorbei. Vor der Kuppe auf der Mitte des Weges rasch noch ein letzter Blick zurück auf den Muot da Rubi und die bereits wieder in weite Ferne gerückte Bifertenhütte werfend, kommt beinahe schon so etwas wie Wehmut auf. Nein, das war ganz bestimmt nicht der letzte Besuch hier oben. Denn dass Hüttenwart Simon Roder mit seiner Aussage, dass «das einfache, auf das Wichtigste reduzierte Leben, hier oben in der Natur unheimlich bereichernd ist», genau richtig liegt, ist bereits nach dem ersten Kurzbesuch unbestritten.

Kühe auf dem Wanderweg Bifertenhütte

Hüttenzustiege

  • Mit der Sesselbahn (Bergbahnen Brigels) bis Bergstation Crest Falla auf 1666 m ü. M.; Gehzeit bis zur Hütte ca. 2 ¾ h, 800 Höhenmeter
  • Ab Alp Quader auf 1906 m ü. M.; Gehzeit bis zur Hütte 2 h, 575 Höhenmeter
  • Zu Fuss ab Brigels (1280 m ü. M.) durch das Val Frisal via Rubi Sut und Rubi Sura; Gehzeit ca. 3 ½ h, 1200 Höhenmeter

Infrastruktur

  • 24 Plätze im Matratzenlager (mit Duvets ausgestattet)
  • Elektrische Beleuchtung, fliessend kaltes Wasser
  • Toilette ausserhalb der Hütte
  • Hüttenfinken sind vorhanden
  • Hüttenschlafsäcke können gemietet werden

Weitere Informationen

Franco Brunner
Franco Brunner

Franco lebt in Domat/Ems, fühlt sich aber überall in Graubünden zuhause.

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