Graubünden Ferien Schweiz

Tierpfleger im Arosa Bärenland

Rüsten, putzen, kontrollieren, beobachten und vieles mehr

Für die Tierpfleger des Arosa Bärenland beginnt die vielfältige Arbeit schon vor dem Eintreffen der ersten Besucher. Wenn diese kommen, muss Napa bereit sein. Ebenso sein Reich, ja die gesamte Anlage.

Von Anita Fuchs

Die Hotel- und anderen Arosa-Gäste sitzen noch am Frühstückstisch oder im Auto respektive Zug. Nico Schädler und Irina Fuchs warten derweil kurz vor acht Uhr auf die Abfahrt der Luftseilbahn Arosa-Weisshorn. Ihr Ziel: die Mittelstation, konkret das sich unmittelbar darunter befindende Bärenland. Seit Anfang Juli 2018 ist es ihr Arbeitsort. Für Nico Schädler in einem Voll-, für Irina Fuchs in einem Teilzeitpensum. Zusammen mit der ebenfalls zu 50 Prozent angestellten Daria Jörg kümmern sie sich ums Wohl von Napa.

Bärenland

Oben angekommen, öffnet Nico Schädler einen Raum am Rande der Innenanlage. Er schaltet den Computer ein, sogleich erscheinen Bilder von verschiedenen Überwachungskameras. Auf dem Bildschirm ist zu sehen, wie der früher in einem Zirkus gefangene Bär vor dem Eingang zur Innenanlage steht. «Am Morgen erhält er die Nahrung stets zur gleichen Zeit», erklärt Nico Schädler. «Tagsüber variieren wir, auch was die Häufigkeit und damit verbunden die Grösse der einzelnen Mahlzeiten betrifft.»

Vegetarisches Frühstück

Zum Frühstück erhält Napa nicht Brot, Käse, Fleisch, Butter und Konfitüre wie die Hotelgäste, welche ihn später besuchen werden. Auf seinem Speiseplan stehen Karotten, Broccoli, Rettich, Randen, Tomaten, Salat und Äpfel. Total sechs Kilogramm, was einem Viertel der Tagesration entspricht. Teilweise zerkleinern die beiden Tierpfleger das Gemüse und die Früchte. Sämtliche Zutaten, wie später vieles Anderes auch, trägt Nico Schädler ins Tagesjournal ein. «Es ist quasi ein Rapport und dient uns zur Kontrolle», erklärt er.

Bärenland

Im Vergleich zu den Hotelgästen kann sich Napa nicht an einem Buffet bedienen. Irina Fuchs verteilt das Futter auf der gesamten Fläche der Aussenanlage. Der Bär tigert währenddessen in der Innenanlage herum, Nico Schädler schaut, dass sich der Zugang und das Bärenland in knapp einer halben Stunde blitzblank präsentieren. Er wischt die Strasse, saugt den Ausstellungsraum, reinigt sämtliche Touchscreens und weitere Glasoberflächen, befreit Korpusse vom Regenwasser, platziert Tafeln, Fahnen und Sonnenschirme, öffnet das Eingangstor.

Vorbereitung für das Bärenland Vorbereitung für das Bärenland

Knochen von vier Kilogramm Fleisch

In der Zwischenzeit hat Irina Fuchs zu Kontrollzwecken den etwa einen Kilometer langen Zaun abgelaufen und die zwei künstlich angelegten, aber überaus natürlich wirkenden Teiche mit Wasser gefüllt. Nico Schädler sammelt nun auf der Aussenanlage noch eine Vielzahl Tierknochen ein und wirft sie in eine Schubkarre. «Das sind die Überbleibsel von knapp vier Kilogramm Hirschfleisch, das Napa am Vortag verschlungen hat», erklärt der Leiter Tierpflege.

Irina Fuchs entlässt Napa jetzt wieder in die «Freiheit». Gemütlich streift er auf dem Gelände umher. Nico Schädler zieht sich derweil für einen Moment ins Kassabüro zurück, checkt und beantwortet E-Mails, studiert den Wochenplan und die Liste mit den Führungen, bestellt telefonisch Gemüse und Früchte für Nappa, legt die Eintrittskarten bereit. Schon trudeln die ersten Besucher ein. Der Tierpfleger begrüsst und bedient sie freundlich, wünscht ihnen einen schönen Tag.

«Wir müssen Napa im Moment noch zu seinem Glück zwingen. Wenn er könnte, würde er die ganze Zeit in der Innenanlage herumliegen.»

Nur bei Futterverteilung in Innenanlage

Bereits auf der Besucherplattform befindet sich Irina Fuchs. Sie beobachtet Napa, lächelt, schüttelt den Kopf. Speziell, als der Bär minutenlang vor der Innenanlage hin und her trottet. «Wir müssen ihn im Moment noch zu seinem Glück zwingen», erklärt sie einer Besucherin. «Wenn er könnte, würde er die ganze Zeit in der Innenanlage herumliegen.» In diese wird Napa mit einem akustischen Signal erst wieder für einen Moment gelockt, wenn Nico Schädler und Irina Fuchs die zweite Mahlzeit in der Aussenanlage verteilen.

Dies dauert aber noch eine Weile. Für den Bären vielleicht zu lange. Gemächlich watschelt der pelzige Vierbeiner Richtung des einen Teiches. «Es scheint, als würde er ein Bad nehmen», sagt Nico Schädler. Prompt lässt sich Napa ins kühle Nass fallen. Die Bewegungen und das Verhalten des Tieres weiss dessen Pfleger schon nach wenigen Wochen richtig zu deuten. Ja, er hat beispielsweise schon herausgefunden, «dass Napa keine feuchten Ohren mag». Er selber schützt seine Ohren ebenfalls. Nicht vor dem Wasser, aber der Kälte.

Anita Fuchs
Anita Fuchs

Anita Fuchs lebt in Jenins und betätigt sich gerne sportlich.

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