Graubünden Ferien Schweiz

Zu Besuch auf der Cufercalhütte SAC

Ein Leben oberhalb der Stau-Welt

Cufercalhütte SAC, Viamala

Renata und Guido Knecht aus Thusis erlebten schon viele Sommer als Hüttenwart-Paar in der Cufercalhütte des SAC Rätia oberhalb Sufers. Bei einem Besuch wird klar, weshalb es ihnen und den immer wiederkehrenden Gästen, hier oben auf 2'385 Metern über Meer derart gut gefällt.

Von Franco Brunner

«Im Sommer sieht man sie da unten jeweils im Stau stehen.» Ein kurzes, verschmitztes Lächeln kann sich Guido Knecht nicht verkneifen, als er dem Gast das traumhafte Panorama aus Seehorn, Piz Tambo, Teuri- und Cufercalhorn sowie dem türkis schimmernden Sufnersee erklärt und dabei auch auf den kleinen Abschnitt der A13 zeigt, den man tief unten im Tal noch gerade so wahrnimmt. Nein, von etwelchen Stauproblemen ist man hier oben tatsächlich weit, sehr weit entfernt. 

Mit hier oben ist die Cufercalhütte am Südfuss des Piz Calandari oberhalb von Sufers gemeint. An diesem Prachtsommermorgen präsentiert sich die mit 23 Schlafplätzen kleinste Hütte der SAC-Sektion Rätia von ihrer besten Seite. Einer Seite, die es Guido Knecht und seiner Frau Renata seit dem ersten Moment angetan hat. «Wir haben uns sofort in die Hütte, die Umgebung und in diese einzigartige Stimmung, die hier herrscht, verliebt», sagt Renata Knecht, als sie gerade aus der Hütte kommt und die Malarbeiten des neuen Hüttenwartzimmers für einen Augenblick unterbricht. Seit mehreren Sommern führen die Knechts mittlerweile die Cufercalhütte. Sie tun dies mit grossem Einsatz, jeder Menge Leidenschaft und ebenso viel Herzblut, Herzlichkeit und Gastfreundschaft.

Cufercalhütte SAC Cufercalhütte SAC

Persönlichkeit an erster Stelle

Die Philosophie des Hüttenwartpaares scheint aufzugehen. So sind die Zahlen der Logiernächte ebenso wie jene der Tagesgäste stetig gestiegen. Mittlerweile sei man bei gut 650 Logiernächten pro Saison und ebenso vielen Tagesgästen angekommen, erklärt Guido Knecht. Das bedeutet natürlich jede Menge Hüttenwart-Arbeit. «Ja, langweilig wird es einem hier oben nicht so schnell», sagt Renata Knecht lachend. Putzen, kochen, einmal pro Woche Frischprodukte-Einkauf im Tal, die Hütte selbst in Schwung halten, Büroarbeiten erledigen oder auch mal Viehzäune reparieren und neu aufstellen. Irgendetwas gebe es immer zu tun. Und an erster Stelle stehe dabei natürlich stets der direkte Kontakt mit den Gästen. «Auf den persönlichen Austausch mit unseren Gästen legen wir sehr viel wert», sagt Renata Knecht. «Wir wollen, dass sich hier jeder, sei es das Kleinkind oder die 83-jährige Grossmutter, möglichst wohlfühlt.» Und tatsächlich, dieses Gefühl des Wohlbefindens und Angekommen-Seins, stellt sich bereits nach wenigen Minuten und dem ersten Schluck dieses wunderbaren, hausgemachten Holunderblütensirups ein.

Der ideale Ort

Das Hüttenwart-Handwerk haben die Knechts in Form einer eigentlichen Schnupperlehre erlernt. «Wir konnten in der Buffalorahütte im Calancatal für zwei Wochen einmal ein wenig in das Hüttenwartleben hineinblicken», erklärt Guido Knecht. Das sei sehr hilfreich gewesen, bevor man sich mit rund 30 anderen Bewerbern schliesslich für die Aufgabe auf der Cufercalhütte beworben habe. Denn bereits da habe man auch gelernt, mit Rückschlägen umzugehen. Schliesslich laufe hier oben gewiss nicht immer alles nach Plan. Sei es eine langwierige Schlechtwetterfront, die an einem zehrt oder der Ausstieg des Küchenherds just in dem Moment, in dem die Hütte voll belegt ist. «Mit solchen Problemen muss man lernen umzugehen und erkennen, dass das Positive alles andere eindeutig überwiegt», sagt der Hüttenwart weiter.

«Wir wollten genau solch eine kleine Hütte, in der wir die Aufgaben alleine stemmen und unsere persönlichen Ideen und Vorstellungen mit einfliessen lassen können.»

 

Mit der Hüttenwart-Aufgabe in der Cufercalhütte habe man die ideale Rolle in der idealen Umgebung gefunden, sind sich die Knechts einig. «Wir wollten genau solch eine kleine Hütte, in der wir die Aufgaben alleine stemmen und unsere persönlichen Ideen und Vorstellungen mit einfliessen lassen können», sagt Renata Knecht. Ebendieses persönliche Herzblut führt auch dazu, dass der Plan der Knechts ein langfristiger ist. Man habe sich mittlerweile ein tolles Netzwerk aufbauen können, erklärt Guido Knecht. Nicht nur mit den immer wiederkehrenden Gästen, den Einheimischen oder dem Hüttenchef. Auch mit den anderen Hüttenteams sei man im ständigen Austausch. Das belegen beispielsweise Projekte wie der Rätia-Hüttenpass – bei dem der Gast, der innerhalb von zwei Jahren in allen sechs Hütten der SAC-Sektion Rätia übernachtet, den sechsten Aufenthalt umsonst erhält. Oder der Auftritt als eine der schweizweit zwölf besonders «Biker-freundlichen» SAC-Hütten.

Der Berg ruft

Ja, man fühle sich sehr wohl hier oben, sinniert Guido Knecht, als sich der Holunderblütensirup leider bereits dem Ende zuneigt. Dementsprechend schwer falle es Ihnen, wenn sie dann Mitte Oktober wieder runter ins Tal und ein halbes Jahr ihrer «gewöhnlichen» Arbeit als Postautochauffeur respektive kaufmännische Angestellte nachgehen müssten. Man sehne sich dann jeweils schon relativ schnell wieder hinauf auf den Berg, gibt Renata Knecht lachend zu. Etwas, das jeder, der einmal in der Cufercalhütte zu Gast war, nur all zu gut nachvollziehen kann. Sei es wegen des atemberaubenden Panoramas, den vielen spannenden Begegnungen, den scheinbar in einem anderen Rhythmus tickenden Uhren oder der einzigartigen Geräuschkulisse aus Kuhglocken-Klängen, Bergziegen-Rufen und Murmeltier-Pfiffen – oder schlicht und einfach wegen dem irgendwie tatsächlich unerklärlich wohltuenden Blick auf «die da unten im Stau».

Routen zur Cufercalhütte (2‘385 m ü. M.)

Alle Wandervorschläge beziehen sich auf die offiziell markierten Routen. Der Übergang Farcletta digl Lai Pintg und der Durchgang Höllgraben erfordern gute Trittsicherheit. Ab Glaspass eignet sich der Zugang nur für ausdauernde Bergwanderer. Familien mit Kleinkindern und Bikern wird abgeraten, diese Übergänge zu benutzen.

  • Sufers (1'428 m) – Glattenberg – Versais, T2, 970 Höhenmeter, 3 h
  • Sufers – Lai da Vons – Versais, T2 970 Höhenmeter, 3 ¼ h
  • Sufers – Steilertal – P. 2013 – Versais, T3, 1’060 Höhenmeter, 3 ¾ h 
  • Sufers – Lai Lung – Lai da Vons – Versais, T3, 1’280 Höhenmeter, 5 ½ h
  • Andeer (982 m) – Pastgaglias – Versais, T2, 1’410 Höhenmeter, 4 ½ h
  • Wergenstein (1’487 m) – Alp Nera – Lai da Calandari, T3, 1’140 Höhenmeter, 4 ¼ h
  • Wergenstein – Dumagns – F. d. Lai Pintg (2’590 m), T3, 1’150 Höhenmeter, 4 ¾ h
  • Turrahus (1’694 m) – Höllgraben – F. d. Lai Grand (2’659 m), T3, 1’250 Höhenmeter, 6 h
  • Glaspass (1’846 m) – Carnusapass (2’602 m) – F. d. Lai Pintg, T3, 1’360 Höhenmeter, 7 h
Franco Brunner
Franco Brunner

Franco lebt in Domat/Ems, fühlt sich aber überall in Graubünden zuhause.

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