Graubünden Ferien Schweiz

Mit dem Funyak durch die Ruinaulta

Einstiegsdroge mit hohem Spassfaktor

Eine geführte Funyak-Tour auf dem Vorderrhein garantiert ein unvergessliches Erlebnis. Mit dem aufblasbaren Kajak geht es in einer imposanten Landschaft durch ruhige Flussabschnitte, aber auch rassige Stromschnellen. Dies notabene nach lediglich einer kurzen Einführung und vor allem als eigener Kapitän.

Von Anita Fuchs

«Hallo! Ich bin Sam. Herzlich willkommen bei der Kanuschule Versam.» Mit vollständigem Namen heisst der junge Mann Samuel Riedener, und er wird mich in den nächsten Stunden auf einer Tour mit dem Funyak begleiten. An einem Holztisch sitzend, informiert er mich über den Tagesablauf, erledigt den aus versicherungstechnischen Gründen nötigen Papierkram und rüstet mich mit meiner Ausrüstung aus: Neopren-Anzug, Jacke, Schwimmweste, Socken und Helm.

«Weisst Du, was ein Funyak ist?», fragt Samuel Riedener. Natürlich. Aber nur dank einer vorgängigen Recherche. «Es ist ein aufblasbares Kajak, und man sitzt allein drauf.» Mein Gegenüber nickt und zählt die Zielgruppe auf. «Funyaking ist eine ideale Aktivität für Einzelpersonen und kleine Gruppen, die eine sportliche Alternative zum Rafting suchen. Oder für Leute, die ohne langes Üben Kajak-Luft schnuppern möchten.» In diesem Zusammenhang warnt er mich gleich: «Funyaking ist die Einstiegsdroge fürs Kajaking.»

«Position wie in der Badewanne»

Jetzt geht’s an die Arbeit. Wir pumpen das Funyak auf und laden es – wie auch das Kajak von Samuel Riedener – auf eine Schubkarre. In Vollmontur marschieren wir ein paar Hundert Meter rheinaufwärts, ehe wir das Vehikel parkieren und unsere Sportgeräte runternehmen. Nun schultern wir sie bis zum Rheinufer – was aufgrund der Länge von mehr als drei Metern und des Gewichtes von rund zwölf Kilogramm nicht ganz einfach ist.

Einige Meter vor einer der vielen eindrücklichen, etwa 300 Meter hohen Felswände zeigt mir Samuel Riedener das korrekte Schwimmen im Fluss. «Die Position ist wie in der Badewanne. Man liegt passiv auf dem Rücken, die Füsse zeigen flussabwärts. Erst beim aktiven Schwimmen ans Ufer dreht man sich auf den Bauch und gleichzeitig um 180 Grad.» Das erstmalige Üben erfordert einige Überwindung. Von Mal zu Mal wage ich mich dann mehr in die Strömung. Wow, ist das cool!

Kentern verlangt Mut

Nun instruiert mich Samuel Riedener über die ideale Sitzposition und die Paddeltechnik. Ebenso über den Übergang vom Kehrwasser in die Strömung und umgekehrt sowie das Bewegen in der Strömung. All dies übt er mit mir auf mehreren Fahrten. Bald einmal fühle ich mich recht sicher, und wir paddeln einige Meter Richtung erste Kurve. Der als Kanulehrer, Kajak und Raft-Guide eingesetzte Student zeigt mir, wie ich sie korrekt anfahre. Ich übe. Und übe. Dann ist er zufrieden mit mir.

Die nächste Herausforderung folgt sogleich: Kentern. Samuel Riedener erklärt mir das richtige Vorgehen, ich nehme allen Mut zusammen und lasse mich ins ungefähr zwölf Grad kühle Nass fallen. Das Raufklettern – fast wie bei einer Luftmatratze – gestaltet sich als nicht ganz einfach und verlangt einen Kraftakt. Nach der kurzen Anstrengung gibt es dafür eine Belohnung: Ich darf mich in den Wellen treiben lassen. Ein grossartiges Gefühl!

Funyak in der Ruinaulta (Foto: © Anita Fuchs) Anita Fuchs bei der Mittagspause am Rheinufer  (Foto: © Anita Fuchs)

Plötzlich im Strudel

Nach der Mittagspause in einem Waldstück am Rheinufer setzen wir die Fahrt fort. Ruhige Flussabschnitte wechseln sich mit rassigen Stromschnellen ab. «Du darfst selber wählen, ob Du durch die grössten Wellen oder drumherum fahren möchtest», sagt Samuel Riedener. Ich bevorzuge die zweite Variante. Eigentlich. Letztlich schaffe ich es aber nicht, den Wellen auszuweichen. Und schon befinde ich mich mitten im Strudel. Die Wucht des Wassers ist gewaltig.

Das Funyak dreht sich um 180 Grad, mit voller Kraft drücke ich meine mit Gurten befestigten Beine an dessen Rand und das gesamte Gewicht auf dessen Boden. Ich bin stark mit mir beschäftigt, dennoch kommen mir die wenigen Sekunden wie eine Ewigkeit vor. «Nur nicht rausfallen», schiesst es mir durch den Kopf. «Und das Paddel ja nicht verlieren.» Geschafft! Ich lächle stolz, Samuel Riedener anerkennend – und klatscht mich ab. «Jetzt hast Du Rodeo gemacht.»

Zurück geht’s mit dem Zug

In Reichenau, etwa 100 Meter bevor der Vorder- und der Hinterrhein zusammenfliessen, steuern wir das rechte Flussufer an. «Die Tour ist nun zu Ende», sagt Samuel Riedener. Er steigt aus dem Kajak, ich aus dem Funyak. Die beiden Sportgeräte ziehen wir an Land und lassen bei meinem – zwecks einfacheren Transports – die Luft raus. Mir gönnt Samuel Riedener eine Pause, er selber marschiert zum Bahnhof und holt ein Transportwägelchen.

Wieder am Rhein angekommen, laden wir sämtliches Material auf und nehmen den Weg zum Bahnhof gemeinsam unter die Füsse. Bei den heissen Temperaturen und mit dem hautengen Neopren-Anzug gerate ich gehörig ins Schwitzen. Ebenfalls ein paar Minuten später, als wir in sekundenschnelle sämtliches Material in den Gepäckwagen der Rhätischen Bahn verladen und danach sofort einsteigen.

Jetzt geht es zurück nach Versam. Die Zugstrecke führt unmittelbar der Rheinschlucht entlang. Mein Blick bleibt am Fenster in Richtung des Wassers haften. In entgegengesetzter Richtung präsentiert sich die sagenhaft schöne Rheinschlucht nicht minder attraktiv. Dennoch stelle ich einen Unterschied zur Fahrt mit dem Funyak fest: Das Ruder selber in der Hand zu haben macht mehr Spass als das «Steuer» dem Lokomotivführer zu überlassen.

Anita Fuchs
Anita Fuchs

Anita Fuchs lebt in Jenins und betätigt sich gerne sportlich.

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