Graubünden Ferien Schweiz

Viel mehr als Schlitteln

Ein Wochenende in
Bergün Filisur

«Ein Ausflug nach Bergün? Dann geht ihr doch sicher schlitteln!» Das ist in der Regel die Reaktion, wenn man jemandem erzählt, dass man das nächste Wochenende in der Ferienregion Bergün Filisur verbringen wird. Dass Bergün jedoch definitiv mehr zu bieten hat als tolle Schlittelbahnen, durften wir während unseres zweitägigen Aufenthaltes erfahren.

Von Seraina Bertschinger

Bereits die Anreise mit der Rhätischen Bahn auf der UNESCO-Welterbestrecke durchs wildromantische Albulatal ist ein Erlebnis der Extraklasse. Etwas mehr als einer Stunde dauert die Fahrt mit der «kleinen Roten» von Chur bis nach Bergün, und die Zeit vergeht wie im Flug. Im Domleschg kann man die vielen Burgen und Schlösser zählen, im mythischen und dunklen «Schyn» zwischen Thusis und Tiefencastel stehen Rehe und Hirsche direkt neben den Gleisen, und zwischen Alvaneu und Filisur überquert man mit dem 65 Meter hohen und 136 Meter langen Landwasserviadukt, das eigentliche Wahrzeichen der Rhätischen Bahn.

Ein Hotel wie aus der Zeit gefallen

In Bergün angekommen staunen wir zuerst über das Gewusel auf dem Bahnhofplatz. Schlittler machen sich auf den Weg zum Ausgangspunkt der berühmten Schlittelbahn, Familien besuchen das Bahnmuseum, welches sich praktischerweise direkt am Bahnhof befindet, und viele Winterwanderer und Skifahrer sind unterwegs. Es ist ein fröhlich entspanntes Gewusel, und man sieht den Leuten an, dass sie ihre Zeit in Bergün geniessen.

Wir machen uns auf zum altehrwürdigen Hotel «Kurhaus», welches 1906 erbaut wurde und wunderschön etwas oberhalb des Dorfzentrums liegt. Hier kommen Liebhaber des Jugendstils ganz auf ihre Rechnung, denn ein grosser Teil der Originalsubstanz des ehemaligen Grandhotels wurde bis heute bewahrt. Die im Jahr 2002 gegründete Kurhaus Bergün AG renovierte das Hotel in den vergangenen Jahren sorgfältig und in kleinen Schritten, was 2012 mit der Auszeichnung «historisches Hotel des Jahres» gewürdigt wurde.

Kurhaus Bergün (Bild: Seraina Bertschinger) Kurhaus Bergün (Bild: Seraina Bertschinger)

Eine echte Genussregion

Bevor wir Bergün weiter entdecken, stärken wir uns im Restaurant des Kurhauses. Die Menükarte mit der kreativen Auswahl an saisonalen und regionalen Köstlichkeiten begeistert uns. Forellen und ProSpecieRara-Bergkartoffeln aus dem benachbarten Filisur, Bergüner Biofleisch und Eier, Gran-Alpin-Getreideprodukte aus Tiefencastel, Alvaneuer Alpschwein, Wild aus einheimischer Jagd usw. Ein Blick in die Speisekarte verrät, dass Bergün Teil einer echten Genussregion ist, welche Köstliches anzubieten hat. Besonders erwähnenswert ist auch die Kinderkarte. Chicken Nuggets und Pommes sucht man hier vergeblich, dafür gibt es einen lustigen Salat mit Popcorn, hausgemachte Gnocchi und noch so manches, was den Nachwuchs dazu motiviert, für einmal auf Frittiertes mit Ketchup zu verzichten.

Auch Christof Steiner, seit 2009 Gastgeber im Kurhaus, ist begeistert von den tollen Produkten, die die einheimischen Produzenten zu bieten haben. Beim anschliessenden Kaffee verrät er uns zudem, dass das Skigebiet von Bergün ein echter Geheimtipp ist, wo man selbst drei Tage nach dem letzten Schneefall noch beinahe unberührte Pulverschnee-Abfahrten vorfinden kann.

Darauf angesprochen, was für ihn persönlich der Reiz von Bergün ausmacht, kommt er ins Schwärmen und erzählt davon, dass Bergün ein lebendiges Dorf mit einem tollen Zusammenhalt sei. Hier fühlen sich die Feriengäste sofort zu Hause, und Halligalli und künstlich erzeugter Bergzauber suche man vergebens. Bergün sei einfach echt, und wer einmal einige Tage hier verbracht habe, der behalte das Dorf mit seinem ursprünglichen Charakter für immer im Herzen.

Die Geissen geben den Ton an

Nach dem Mittagessen werden wir vor dem Hotel durch die Familie Heinrich vom Hof Plaschair erwartet. Sie bringen eine muntere Geissen-Schar mit und führen uns auf einen äusserst vergnüglichen Geissenspaziergang rund ums Dorf. Ist das ein Spass! Unsere siebenjährige Tochter schliesst die Geissendame Alma sofort in ihr Herz, welche sich geduldig von ihr führen lässt. Die Geissen vom Hof Plaschair sind sich Spaziergänge gewohnt, laufen im Dorf auch brav an der Leine und kennen den Weg natürlich ganz genau.

Die Braut im Schnee

Zurück im Hotel treffen wir dann noch auf die Hochzeitsgesellschaft, welche an diesem Wochenende im Kurhaus feiert. Winterhochzeiten scheinen im Trend zu sein, und Bergün bildet den perfekten Rahmen für zauberhafte Hochzeitserinnerungen. Unsere Tochter ist auf jeden Fall schwer beeindruckt von der wunderschönen Braut im Schnee. Nach diesem ereignisreichen ersten Tag geht es abends nicht mehr lange, bis wir alle schwere Augendeckel haben und uns gemütlich ins Bett kuscheln, um tief und fest dem nächsten Morgen und weiteren Erlebnissen entgegen zu schlafen.

Schlitteln – aber wie!

Frisch gestärkt machen wir uns am nächsten Morgen auf den Weg zum Bergüner Bahnhof, wo wir – gemeinsam mit vielen anderen erwartungsvollen Schlittlern – den Zug nach Preda besteigen. Heute wollen wir nun die beiden bekannten Schlittelbahnen ausprobieren, zuerst der sechs Kilometer lange Klassiker von Preda nach Bergün (übrigens die längste beleuchtete Schlittelbahn Europas), danach die mit vier Kilometer etwas kürzere, dafür sehr rasante Abfahrt von der Bergstation Darlux zurück ins Tal.

Schlitteln ist in Bergün omnipräsent; die Infrastruktur ist hervorragend und alles ist bestens organisiert. Direkt am Bahnhof in Preda kann man Schlitten mieten (Tipp für Schlitteln mit Kindern: Besser einen bequemen Familienschlitten, als einen sportlichen Rodel mieten). Danach spaziert man knapp zehn Minuten bis zum eigentlichen Start der Schlittelbahn, wo man sich auf einer Info-Tafel übers sichere Schlitteln informieren kann. Ab dann geht es nur noch runter, und dies rasant mit einigen Kurven und temporeichen Abschnitten. Die Bahn ist gut gesichert, in den teils vereisten Kurven gibt es zur Sicherheit hohe Holzwände und auch immer wieder Schneehaufen an den richtigen Stellen, die hilfreich beim Lenken und Bremsen sind.

Wir gelangen unter grossem Jubel unserer Tochter und mit einem breiten Grinsen im Gesicht ins Ziel, wo wir direkt die Sesselbahn nach Darlux bestiegen, um auch die zweite Bergüner Schlittelbahn zu testen. Die Abfahrt von Darlux ist ideal für sportliche und mutige Schlittler, die auch Buckel und Schanzen auf der Piste nicht scheuen und sich gerne eine kleine Extraportion Adrenalin gönnen. Am Schluss sind wir uns auf jeden Fall einig: Schlitteln in Bergün ist einfach phänomenal. Und das Gute daran: Mit der praktischen Schlittel-Tageskarte, welche man am Bahnhof bekommt, kann man so oft man möchte den Zug, die Schlittelbahnen und auch die Sesselbahn nach Darlux benutzen. Ideal für Schlittler, die einfach nicht genug bekommen können!

Schlitteln in Bergün Filisur (Bild: Seraina Bertschinger) Schlitteln in Bergün Filisur (Bild: Seraina Bertschinger)

Das Bahnmuseum als Tüpfelchen auf dem i

Nach dem rasanten Schlittelplausch steht uns der Sinn nach einem warmen Mittagessen und einem etwas ruhigeren Nachmittag. Deshalb schlendern wir gemütlich durchs Dorf zurück zum Bahnhof, wo wir unsere Schlitten zurückgeben und mit wenigen Schritten beim berühmten Bahnmuseum sind. Wer schnell schlittelt, mag auch essen. Im «Büfèt» des Bahnmuseums kommen wir diesbezüglich voll auf unsere Kosten. Auf originalen Sitzmöbeln verschiedener Speise- und Salonwagen kann man es sich gemütlich machen. Es gibt eine überschaubare Karte mit einem feinen Menü, verschiedenen heissen und warmen Spezialitäten und hausgemachten Kuchen – alles frisch zubereitet und mit einem Lächeln serviert. Auch hier wieder der Beweis: Bergün Filisur ist eine tolle Genussregion.

Bahnmuseum Albula (Bild: Seraina Bertschinger) Bahnmuseum Albula (Bild: Seraina Bertschinger)

Den Nachmittag verbringen wir im Bahnmuseum, wo uns eine vielfältige und äusserst spannende Ausstellung rund um die Eisenbahnwelt Graubündens in ihren Bann zieht. Gemeinsam machen wir uns mit unserer Tochter auf, um Clà Ferrovia zu helfen, seine verlorene Trillerpfeife zu suchen. Ein äusserst unterhaltsamer Parcours mit 10 Erlebnisorten, der uns quer durchs Museum führt und die Zeit wie im Fluge vergehen lässt. Gross ist die Freude am Schluss, als wir die Trillerpfeife finden; weniger gross dann die Freude bei unseren Mitreisenden im Zug auf der Rückreise, als unsere Tochter ihre Pfeife intensiv ausprobiert.

Nach zwei erlebnisreichen Tagen kehren wir in den Alltag zurück und sind uns einig: Die Region Bergün Filisur ist mehr als eine Reise wert. Es gibt noch viel zu entdecken – zum Beispiel die Skateline zwischen Alvaneu Bad und Surava – der erste Eisweg der Schweiz – welcher einen auf Schlittschuhen durch den märchenhaft verschneiten Winterwald führt. Unser nächster Ausflug ist somit bereits geplant!

Seraina Bertschinger
Seraina Bertschinger

Seraina Bertschinger ist auf der Lenzerheide aufgewachsen und wohnt heute in Felsberg. Mit ihrer Familie entdeckt sie die Bündner Bergwelt ständig neu.

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