Graubünden Ferien Schweiz

Eine Woche in Zuoz

Glücklich verloren in den Schweizer Alpen

Es ist Ende September und es hat bereits kräftig geschneit. Die umliegenden Berggipfel sind schneeweiß, der Himmel grau. Nachts fallen die Temperaturen unter 0 Grad Celsius. Eigentlich ungewöhnlich für diese Jahreszeit, lässt mich der Schaffner der Rhätischen Bahn wissen, als wir am Bahnhof Zuoz einfahren.

Von Michael André Ankermüller

Zuoz, könnte man sagen, ist ein typisches Engadiner Dorf, möglicherweise sogar das schönste, auf jeden Fall aber das besterhaltenste Dorf im Oberengadin. Zahlreiche Patrizierhäuser wie die Chesa Planta, zum Teil palastähnliche Häuser mit Sgraffito-Verzierungen und unzählige Gässchen führen dazu, dass ich mich sogar in der 1400-Einwohner-Gemeinde für einen kurzen Moment verloren hatte. Besonders schön ist die Dorfmitte von Zuoz mit dem ehemaligen Rechtswirtshaus Crusch Alva, die San Luzi Kirche, dem Dorfturm und den Plantahäusern. Und nicht weit davon entfernt die weltberühmte Schweizer Internatsschule Lyceum Alpinum, die Kinder aus der ganzen Welt, verloren in den Schweizer Alpen, unterrichtet und im besten Fall und hoffentlich zu guten Menschen ausbildet.

Kunst hinter dicken Mauern

Oberhalb von Zuoz, etwa 20 Minuten zu Fuß von der Dorfmitte entfernt, befindet sich das Hotel Castell, das ohne Frage zu den spannendsten Hotels in der Schweiz gehört. Einerseits wegen seiner ausgesprochen guten alpenländischen sowie mit mediterranen Einflüssen geprägten Küche, einer umfassenden, anspruchsvollen Weinkarte und einem über 100-jährigen Speisesaal aus der Jugendstilzeit, andererseits auch wegen der umfangreichen Kunstsammlung von Ruedi Bechtler, Besitzer des Hotels, die überall im Hotel öffentlich zugänglich ist. Beispielsweise Martin Kippenbergers «China Garden», ein Schrank mit «Steinen» aus Schaumstoff, David Shrigleys Leuchtschrift «It´s freezing in here» sowie James Turrells «Skypace Piz Uter», wenige Meter vom Hotel entfernt, wo sich der stets verändernde Bündner Himmel vor allem bei Sonnenuntergang beobachten lässt.

Mehr Kunst findet man auch unweit des Dorfplatzes in der Galerie Tschudi, in der historischen Chesa Madalena, die vor allem von dem bekannten Schweizer Architekten Hans-Jörg Ruch modernisiert wurde. Plötzlich steht man in den Räumen der Galerie und bekommt hier einiges an Kunst wie von Richard Long, Stanley Brouwn, Andrea Büttner, Julian Charrière und Dan Walsh zu sehen, was man von einem kleinen Bergdorf wie Zuoz nicht erwartet hätte. Obwohl das eigentlich so auch nicht richtig ist, denn St. Moritz und die umliegenden Dörfer zählen erstaunlicherweise die meisten Galerien pro Einwohner auf den Planeten. Man könnte fast sagen, dass das Engadin das Gegenprogramm der immer schneller werdenden Großstädte und bis dato hektischer Kunstmessen ist.

Seitengasse in Zuoz (© Michael André Ankermüller)

Natur, raue Bergpässe, Weite

Wer das Engadin kennt, wird es bestätigen können: Glücklich verloren in den Alpen, in dem Dreiländereck, wo die Schweiz, Österreich und Italien aufeinandertreffen, ist alles ein bisschen einsamer, friedlicher und stiller als anderswo. Doch gerade diese Eigenschaften sowie die Bilderbuch-Natur aus Berge, Wälder und Seen machen die Region im Kanton Graubünden so unaustauschbar. Auch wegen seines einzigartigen Wildnisgebiets, dem 170 Quadratkilometer großem Schweizerischem Nationalpark. Andreas Flückinger, der seit 1980 mit seiner Famile im Engadin lebt und seit knapp 40 Jahren im Nationalpark als Wanderleiter unterwegs ist, lässt mich während unserer Wanderung zur Parkhütte Varusch wissen:

«Nirgendwo in den Schweizer Alpen lässt sich unberührte Wildnis und Natur so erleben wie hier. Mit etwas Glück kann man hier sogar Mauerläufer entdecken oder Bartgeier beobachten. Und natürlich Steinböcke, Rehe, Hirsche und auch Murmeltiere.»  

 

Wer wissen will, wie schön die Welt ist, muss ins Engadin reisen. So viel ist sicher. Und sich wenigstens für ein paar Tage mal wieder in der Weite der Welt verlieren.  

Michael André Ankermüller
Michael André Ankermüller

Michael André Ankermüller lebt in Berlin, fühlt sich aber komischerweise fast überall auf der Welt zuhause. Er hat seine Leidenschaft zum Schreiben und Fotografieren zum Beruf gemacht und arbeitet als freier Journalist, Medienberater und Blogger.

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