Graubünden Ferien Schweiz

Destillaria Daguot in der Surselva

Hochprozentige Leidenschaft

Beni Simeon und Robert Cathomas betreiben in Ilanz eine kleine Schnaps-Destillerie. Die beiden sind seit fast 50 Jahren befreundet und zeigten uns, wie in Zeiten von Grossdestillerien und steigenden Alkoholimporten leidenschaftlich Schnaps gebrannt wird.

Von Dennis Frasch & Loric Lehmann

Wir befinden uns im beschaulichen Schnaus im Bündner Rheintal. Das knapp über hundert Einwohner zählende Dörfchen erstreckt sich am Ufer des Vorderrheins, auf der anderen Flussseite wie Illanz, dem Hauptort der Surselva. In einer unbenutzten Industriehalle befinden sich zwei kupferne Anlagen, um Schnaps zu brennen. Dies ist die Destillaria Daguot.

Beim Eintreten in die Halle werden wir etwas skeptisch gemustert. Die beiden Sursilvaner, Robert Cathomas, Inhaber einer Reinigungsfirma, «beinahe pensioniert», und Beni Simeon, «durch und durch pensioniert», sind sich offensichtlich den Umgang mit jungen Stadtzürchern nicht gewohnt. Die Begrüssung fällt dann auch etwas zurückhaltend aus. Ebenfalls sind die Antworten auf unsere Fragen, zumindest anfangs, zögerlich.

Simeon und Cathomas, die Inhaber der Distellerie

Regionale Produkte

Etwa 200 Liter brennen die zwei pro Jahr. «Dabei wollen wir möglichst alle Früchte aus der Region beziehen. Beispielsweise: Äpfel, Zwetschgen, Birnen, Wildfrüchte, Vogelbeeren, Wildkräuter.» Gesammelt wird alles von den beiden selber. «Wenn jemand einen Apfelbaum hat und die Äpfel nicht pflückt, dann gehen wir die halt einfach holen.» 

Die Früchte müssten eigentlich nur sauber und reif sein. «Früchte, die man gut essen kann, sind auch gut zu brennen.» Das stimme aber nicht immer und unterscheide sich von Frucht zu Frucht. «Wenn die Birne etwas zu reif eingemischt und dann gebrannt wird, schmeckt der Schnaps seifig.» Das meiste hätten die beiden Brennmeister mit den Jahren selber herausgefunden.

Wichtig beim Destillieren sei vor allem das Riechorgan. «Die Nase muss jeden Tag trainiert werden.» Denn wie weit der Gärungsprozess schon fortgeschritten ist, könne man nur durch Riechen feststellen. Da müsse man, ohne die Augen zu gebrauchen, wissen, wie hoch die Qualität eines Brandes sei und wie lange der dann noch stehen müsse.

«Wäre doch eine schöne Idee, so eine Destillerie.»

 

Angesprochen auf die Entstehungsgeschichte ihrer Schnapsbrennerei, bekommen die beiden leuchtende Augen. Sie kennen sich schon seit 1972 und sind mittlerweile auch schon seit längerem verschwägert. «Als wir uns kennenlernten, waren wir noch jünger als ihr zwei Burschen», sagt Simeon und wir alle lachen.

«Seit 40 Jahren gehen wir zusammen auf die Jagd. In der Hütte wird dann über dieses und jenes geredet. Ein Thema war immer, was man nach der Pensionierung machen werde. Wir hatten schon immer Interesse an Kräuterschnaps und dachten, das wäre doch eine schöne Idee, so eine Destillerie. Dann kam der Tag, an dem wir uns sagten: Entweder richtig anpacken oder sonst lassen wir es.»

Der ganze Prozess von der Idee bis zur Bewilligung ging etwa zehn Jahre. Nach mehreren Kursen im nahen Ausland und in der Schweiz beantragten Cathomas und Simeon schliesslich eine Bewilligung vom Kanton Graubünden zum Schnapsbrennen. Dabei gab es eine Menge Auflagen zu erfüllen, wie Robert Cathomas uns erklärt.

Sie sind auch verpflichtet, jeden Brenngang im Voraus anzumelden. «Dafür zahlen wir 29.– Franken pro reinen Liter Alkohol.» Lohnt sich das denn? Wenn man die ganzen Stunden rechnen würde, die sie für das Sammeln der Zutaten, den Brennprozess selber und die Lagerung aufwenden, könne man das unmöglich zahlen. «Aber wir machen das mit Leidenschaft. Da steckt viel Herzblut drin», sagt Simeon stolz.

Und das sehen auch andere so: Letztes Jahr sind die beiden an der DistiSuisse, der Schweizer Spirituosenprämierung, Brenner des Jahres geworden. Insgesamt 6 Goldmedaillen erhielten die beiden für ausgewählte Produkte. Vogelbeerenbrand, Macchiato, Bacio, Vogelbeeren mit Honig, Vieille Poire und Williams heissen die gekürten Brände.

Schnaps der Destillerie Daguot Preise der Distellerie Daguot

Irgendwann können wir der Versuchung, vom Produkt dieser Leidenschaft zu probieren, nicht mehr widerstehen und bitten um eine kleine Degustation. Es ist zwar erst elf Uhr, aber ein Gläschen wird schon nicht schaden, denke ich mir. Simeon entkorkt mit flinken Fingern eine Flasche und zaubert einige kleine Gläser hervor. «Ich habe eigentlich noch einen Termin um zwölf», erklärt Cathomas auf den fragenden Blick Simeons und gönnt sich dann aber ebenfalls ein Gläschen.

Schliesslich wird auch das Geheimnis um den Namen der Destillerie gelüftet: Daguot heisst Tropfen auf Romanisch. «Kann auch ein Zürcher aussprechen», schmunzelt Beni Simeon und sieht uns verschmitzt an. «Dann sagt man nach einem Schluck: Daguot isch guat.»

Weitere Informationen

Dennis Frasch & Loric Lehmann
Dennis Frasch & Loric Lehmann

Dennis Frasch und Loric Lehmann studieren Journalismus und Organisationskommunikation an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur.

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