Graubünden Ferien Schweiz

Savognin: Eine Nacht in einer Jurte auf der Alp Flix

Dem Glück so nah

Alp Flix, Savognin (Bild: Nico Schaerer)

Die Alp Flix, eine Hochebene umgeben von majestätischen Bergen, lockt mit einem speziellen Erlebnis: einer Nacht in einer Jurte. Tagsüber findet hier jeder was er sucht: ob Ruhe und Entspannung oder Schneeschuhtouren durch tief verschneite Landschaften.

Von Martin Hoch

Es ist eines von Johann Wolfgang von Goethes bekanntesten Zitaten: «Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.» Es sind diese Sätze, die dem Autoren dieses Artikels beim Anblick der Alp Flix und seinem Jurtenhotel als Erstes in den Sinn kommen.

Vor elf Jahren befand er sich zur selben Jahreszeit am anderen Ende der Welt – stapfte ebenfalls durch tiefen Schnee. Die Temperaturen bewegten sich eher noch in kälteren Bereichen, aber die Landschaft und die Unterkünfte der Bewohner waren beinahe identisch: Er befand sich in der Mongolei. Es war eine eindrückliche Reise. Aber eben: Das Gute liegt so nah. Wie er nun weiss, hätte er für diesen winterlichen Zauber nicht um die halbe Welt reisen müssen.

Jurten in den Bündner Bergen

Das Wintersportgebiet Savognin ist eine weitläufige Erlebniswelt. Bekannt als Skisportdestination mit 80 Pistenkilometern, ging die Destination als Pionier in die Geschichte der technischen Beschneiung ein: 1978 weihten die hiesigen Bergbahnen die erste Gross-Schneeanlage Europas ein. Innovative Ideen gehören zum Wintersportgebiet Savognin, das verdeutlicht die Bandbreite an spannenden Angeboten. Wer möchte, kann hier beispielweise in einem Jurtenhotel übernachten.

Manuel Cotti fährt die Gäste und ihr Gepäck mit dem Schneemobil von Sur, einem kleinen Dorf zwischen Savognin und dem Julierpass, hoch zur Alp Flix. «Im Sommer grasen unsere dreihundert Schafe hier oben», sagt der Bergbauer. Zusammen mit seinem Zwillingsbruder Linard – die beiden sind 23 Jahre jung und voller Tatendrang – produziert er auf der Alp jährlich acht Tonnen Käse, ein Teil der Milch wird zudem unverarbeitet verkauft. Daneben betreiben sie das auf 2’000 m ü. M. gelegene Jurtenhotel bestehend aus einem urigen Bergbauernhof und fünf mongolischen Jurten. Auf die Idee gekommen ist ihr Vater Alfons Cotti vor über zehn Jahren.

Manuel Cotti auf dem Schneemobil. (Bild: Nico Schaerer)

«Wir sind hier weg von der Zivilisation, wenn du da bist, bist du einfach nur hier.»

 

Die Führung des Jurtenhotels wiederum obliegt Katharina Schalch. Ursprünglich kam sie vor sieben Jahren als Schafhirtin auf die Alp Flix. Inzwischen betreut sie seit mehreren Jahren die Gäste und schaut zum Betrieb. Ein Leben, das ihr entspricht, sie sagt: «Wir sind hier weg von der Zivilisation, wenn du da bist, bist du einfach nur hier.» Es ist genau das, was die Gäste bei einem Besuch im Jurtenhotel suchen und finden: Ruhe, Entspannung und zwar nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige Erholung.

Katharina Schalch: die gute Seele des Jurtenhotels. (Bild: Nico Schaerer)

Die Alp Flix ist ein Ort, an dem man sein Handy ruhen lassen kann, den Lärm der Zivilisation nicht mehr hört und für eine kurze Zeit fühlt es sich an, als wäre man am anderen Ende der Welt, weit weg vom Alltag. Da erreicht einen der zweite Teil von Goethes Zitat: «Lerne nur das Glück ergreifen: Denn das Glück ist immer da.» Ja, hier auf der Alp realisieren die Gäste, dass das Glück eigentlich immer da ist, nur verschwindet es allzu oft im Trubel des Alltags. Katharina Schalch sagt dann auch: «Auf der Alp Flix herrscht wahnsinnig viel Freiheit.»

Diese Freiheit ist ebenfalls spürbar, wenn man die Schneeschuhe anzieht und auf dem markierten Schneeschuhweg losstapft. Dabei weit und breit alleine ist, durch die tief verschneite Landschaft watet und den Blick hoch zu den Giganten, zum Piz Platta und Piz Forbesch richtet, während im Rücken der Piz Calderas und der Piz D’Err thronen.

Schneeschuhwandern auf der Alp Flix. (Bild: Nico Schaerer)

Die Natur rund um die Alp Flix ist archaisch, magisch und überwältigend. Und entfaltet ihren Zauber in allen Jahreszeiten: Im Frühjahr sprüht die Hochebene vor Energie, die Alp füllt sich mit Leben. Im Sommer bietet sich das Gebiet zum Wandern an und Katharina Schalch fügt an: «Rund um das Jurtenhotel befinden sich mehrere Badeseen.» Im Herbst kehrt schliesslich wieder Ruhe auf der Alp ein und das Herbstlicht verleiht der Bergwelt eine verträumt goldene Stimmung. Und im Winter ist die Alp Flix ein sonniges Ziel für Tagesausflüger und Jurtengäste.

Herzlichkeit und Höhenschlaf

Geht abends, nach einem ruhigen und gleichzeitig erlebnisreichen Tag, die Sonne unter, brennt im Cheminée drinnen ein wärmendes Feuer und hiesiger Käse und Salsiz werden serviert. Wer möchte, der darf auch noch etwas in der Aussensauna schwitzen. Danach folgt ein feines Raclette oder ein Fondue. Das grösste Highlight aber steht einem noch bevor: die Nacht in der eigenen Jurte. Und wer clever war, heizte im Mongolenzelt bereits vor dem Abendessen im Holzcheminée ein.

Gemütlich ists im Cotti Agricultura auf der Alp Flix (Bild: Nico Schaerer) Gemütlich ists im Cotti Agricultura auf der Alp Flix. (Bild: Nico Schaerer)
Gemütlich ists im Cotti Agricultura auf der Alp Flix. (Bild: Nico Schaerer)

Die Jurten sind einfach, aber komfortabel eingerichtet. Wie erwähnt, obliegt das Heizen den Jurtengästen und als Lichtquelle dienen Kerzen. Beides sorgt für eine willkommene Portion Abenteuer. Gleichzeitig sind die Betten angenehm und die Decken schön warm. Frieren muss keiner. Dafür schläft es sich hier in der Höhe wunderbar, tief und vom Tage erfüllt. Und ein letztes Zitat Goethes geistert durch die Gedanken: «Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.»

Inneneinrichtung einer Jurte auf der Alp Flix (Bild: Nico Schaerer)

Hier auf der Alp Flix ist dies erlebbar: Da sind die Bergbauern, die am Abend noch mit einem beim Fondue sitzen und aus ihrem Leben erzählen, da ist die Gastgeberin, die stets zum Wohl der Gäste schaut und es sind auch die beiden verspielten Hunde Jacko und Terra, die einem immer wieder zum Lachen bringen – ja, sie alle bemühen sich herzlichst um die Bedürfnisse der Jurtengäste – und das wirkt aufs Herz. Der Autor wäre am liebsten auf der Alp geblieben.

Martin Hoch
Martin Hoch

Martin Hoch war über sieben Jahre auf Reisen. Ob mit der Bahn, Bus, Segelschiff oder umgebautem Bus, wichtig waren ihm die Begegnungen mit Menschen, angetrieben hat ihn die Liebe zur Natur. Zurück in der Schweiz widmet er sich dem Reisejournalismus, bereist noch immer regelmässig die Ferne und ist genauso fasziniert von der Schweizer Bergwelt.

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