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Das Unterengadin: Nevin Galmarinis Kraftort

Snowboarder und Mountainbiker

Nevin Galmarini erzählt uns auf einer Lieblings-Biketour seine Geschichte und verrät, warum Mountainbiken für ihn als Snowboarder so wichtig geworden ist.

Von Dave Spielmann

Ohne genauere Betrachtung könnte man annehmen, Snowboarden und Mountainbiken hätten nicht viel gemeinsam. Das sieht Nevin Galmarini anders, und er muss es wissen. Ist er doch als Olympiasieger im Snowboarden der absolute Experte auf dem Schnee. Aber auch auf dem Mountainbike muss er sich definitiv nicht verstecken. «Fährt man einen anspruchsvollen Trail mit dem Bike hinunter, so sind es die gleichen Aspekte wie beim Snowboarden, welche wesentlich sind», meint Nevin.

Mountainbike (Foto: © Filip Zuan)

Wir wollten es genauer wissen und haben Nevin auf einer seiner Lieblingstouren in seiner Heimat, dem Unterengadin, begleitet. Er wollte uns etwas Spezielles zeigen. Bei Sonnenaufgang. So sind wir in aller Herrgottsfrühe in Scuol losgezogen. Nebst dem Sonnenaufgang standen seine Lieblingstrails rund um den Piz Clünas und vorbei an der Alp Laret bis vor seine Haustüre in Ardez auf dem Programm.

Solche Biketouren sind für Nevin Teil seines Sommertrainings. Aber noch mehr. Das intensive Naturerlebnis und die Möglichkeit, einfach aus dem Alltag auszubrechen, machen für Nevin das Mountainbiken so besonders faszinierend. Wir verstehen schnell, was Nevin meint. Solche spektakuläre Naturerlebnisse, wie der unvergessliche Sonnenaufgang heute, lassen einen den Alltag vergessen.

Mountainbike (Foto: © Filip Zuan)

In aller Ruhe geniessen wir die Aussicht. Nevin erzählt uns, wie wichtig die ganze Region für ihn und seine Entwicklung als Spitzensportler war und heute noch ist. Als er 13 Jahre alt war, zog seine Familie wegen des Snowboardsports der Kinder in das Unterengadin. Nevin besuchte zusammen mit seinem Bruder die Sportklasse des Hochalpinen Institut Ftan. Sie lernten romanisch, fanden perfekte Trainingsbedingungen vor und legten so den Grundstein für den heutigen sportlichen Erfolg.

«Ohne den Umzug ins Unterengadin wäre ich nicht Olympiasieger geworden!» 

Nevin Galmarini

Mountainbike (Foto: © Filip Zuan) Mountainbike (Foto: © Filip Zuan)

Sobald es abwärts geht, ist Nevin in seinem Element: Die Geschwindigkeit, die Balance auf dem Bike, das sofortige Reagieren. Und – Nevin ist fit, richtig fit. Zu dieser Fitness verhilft ihm sein Bruder, welcher als Konditionstrainer für das Trainingsprogramm im Sommer zuständig ist. Dass sein Bruder sein bester Freund ist, macht vieles einfacher.

Er freue sich immer auf den Sommer, sagt Nevin. Das Gefühl der Unabhängigkeit, sein eigener Chef zu sein, ist Nevin wichtig. Denn im Winter ist sein Leben vorwiegend fremdbestimmt, der Kalender ab September bis April voll. Zudem wird die Basis für den Winter im Sommer gelegt – dies in einer idealen Kombination aus Training und Freizeitaktivitäten mit Familie und Freunden.

Mountainbike (Foto: © Filip Zuan)

Auf unserer Tour sind wir mittlerweile am wunderschönen Lai da Minschun angekommen. Bis zum See war der Trail anspruchsvoll und steinig. Nun wähnt man sich irgendwo in den Weiten Schottlands. Über die hügelige Landschaft führt uns der Trail in Richtung Tal. Wir geniessen den Traumtag inmitten der eindrücklichen Unterengadiner Berglandschaft. Doch langsam meldet sich der Hunger, denn seit dem Frühstück sind einige Stunden vergangen und wir haben schon ein paar Höhenmeter in den Beinen. Nevin verspricht uns eine Überraschung und steuert zielstrebig die Alp Laret an.

Mountainbike (Foto: © Filip Zuan)

In der Alphütte werden wir wirklich überrascht. Wir stärken uns mit hausgemachtem Kaiserschmarrn und Joghurt direkt aus dem Kessel. Dazu serviert die junge Älpler-Familie Kaffee und selbst gemachten Sirup. Wir geniessen die Sonne und finden heraus, was Nevin in all den Jahren motiviert hat, immer weiter zu machen und Topleistungen zu erbringen.

(Foto: © Filip Zuan) (Foto: © Filip Zuan)

Nevin will sich ständig weiterentwickeln und immer das Beste aus sich und der Situation herausholen. Er ist sehr ehrgeizig und erst mit seinen Leistungen zufrieden, wenn er in jedes Detail investiert und vollen Einsatz gegeben hat. Nevin ist ein «Vollgas-Typ» und ordnet dem Erfolg sehr viel unter. Trotzdem: Wenn er sich entscheiden müsste zwischen seinem Umfeld oder dem Olympiasieg, dann würde die Wahl ganz klar auf die Familie fallen.

Mountainbike (Foto: © Filip Zuan)

Frisch gestärkt steigen wir auf unsere Bikes und fahren talwärts nach Ftan. Auf dem Rückweg treffen wir vermehrt auf Wanderer. Nevin wird erkannt und posiert geduldig für Selfie’s mit seinen Fans. Diese Zeit für einen kleinen Schwatz muss sein. Die viel diskutierten Problemen zwischen Biker und Wanderern sind nicht spürbar. Es braucht einfach etwas Respekt und Toleranz von allen Beteiligten – wobei es natürlich hilft, mit einem Olympiasieger unterwegs zu sein.

Mountainbike (Foto: © Filip Zuan)

Die letzten Höhenmeter runter ins Tal sind wir auf den Hometrails von Nevin unterwegs. Wir machen einen Abstecher nach Ardez, wo Nevin aufgewachsen ist. Im Dorfkern angekommen, gönnen wir uns das fast schon obligatorische Glatsch (Glace) nach der Tour.

Mountainbike (Foto: © Filip Zuan)

Zum Schluss kommt noch die klassische Frage auf, wo er denn seine Medaillen aufbewahre? Nevin beantwortet sie mit einem verschmitzten Lächeln: «Ach, die sind in einer Kiste im Keller. Wenn ich sie nicht immer sehe, bleibe ich hungriger!»

Mountainbike (Foto: © Filip Zuan)
Dave Spielmann
Dave Spielmann

Dave lebt im Engadin und bei ihm dreht sich ganz viel ums Mountainbiken. Guiden, Ausbilden und Content produzieren. Deshalb auch #allaboutmtb.

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