Graubünden Ferien Schweiz

Unterwegs in Savognin Bivio Albula

Immer der Nase nach

Leana ist elf und kann gut malen. Diesem kreativen Talent verdanken sie und ihre Familie ein Wochenende in Savognin Bivio Albula. Leana hat den von der Ferienregion ausgeschriebenen Wettbewerb um die Gestaltung eines Stofftiers gewonnen, das von ihrer Zeichnung zum «Leben» erweckt worden ist. In Gestalt eines braunen Hundes begleitet es die Reise.

Von Oliver Kerstholt

Das Ziel der Reise zu Beginn der Herbstferien ist die Alp Flix auf rund 2000 m ü. M. Aber schon beim Umsteigen von der Rhätischen Bahn auf das Postauto in Tiefencastel stellt Leana fest: «Hier riecht es nach Kühen.» Recht hat sie; willkommen in den Alpen.

«Hier gibt es Pferde, ich kann sie schon riechen!»

Romina, 8

 

Auf der Alp ist es dann die Nase von Leanas kleiner Schwester Romina, die Tiere identifiziert, bevor das Auge sie entdeckt: «Hat es hier Pferde?», will sie wissen. «Ich kann sie riechen», ist sie überzeugt. Und tatsächlich: Nach wenigen Wegkurven ist der Blick frei über Alpweiden, die mindestens einem Dutzend Rössern ein Zuhause bieten. Wahr gewordener Mädchentraum. Aber nicht nur. Vater Stefano gefällt, dass der Rhythmus hier mehrere Takte langsamer ist als der zuhause. Und Fabio, der 13-jährige Bruder von Leana und Romina, ist begeistert von den Hunden, die er vor dem Agrotourismus-Betrieb der Familie Cotti, dem Übernachtungsziel, antrifft.

Bevor die Familie ihre Schlafstätte bezieht, wird aber das Mittagessen serviert. Es gibt Gerstensuppe, Schafmilch-Käse von der Alp und Salsiz vom einheimischen Metzger; dazu Brot und Holundersirup. Serviert am langen Holztisch in der Sonne. «Was will man mehr?», fragt Mutter Nadine.

Alp Flix (Bild: Oliver Kerstholt) Alp Flix (Bild: Oliver Kerstholt)

Tierspuren und Sternenhimmel

Nachdem die Schlafsituation jetzt klar ist, sind die drei Kinder bereit für Abenteuer. Gut ist genau dafür gesorgt: Nur wenige Schritte von hier, am ersten von drei Seen, beginnt Professor Fix’ Forscherparcours. Was es hier alles zu bestimmen gibt! Den pH-Wert des Wassers. Algen, die Leana zu einem Vergleich mit Haaren veranlassen. Die Geschwindigkeit der Strömung. Ähnlich im nahen Wald. Ameisen beobachten, Tierspuren – von Feldhase, Rothirsch und Gämse – in Gips giessen, Himmelsrichtungen bestimmen, ganz ohne App. Alle Hilfsmittel, von der Lupe übers Wasserrad bis zum Gips, sind Teil des zur Verfügung gestellten Forschersets, das mit einem Tragegurt sehr lässig über die Schulter geschlungen wird.

Zum Abendessen im einstigen Stall kommen Älplermagronen direkt in der Ofenform auf den rustikalen Tisch. Zünftig, unkompliziert und gemütlich. Bald schon aber lockt die Kinder die Jurte. Draussen ist es dunkel, drinnen sind Kerzen und Taschenlampen nicht alltägliche Lichtquellen.

Am nächsten Morgen verraten die Kinder, was das Beste war an dieser Nacht: «Dass alle fünf in einem Raum wohnten!» «Dass wir durch das Glasdach Sterne gesehen haben!»

Nach dem Frühstück und vor der Weiterreise sind sich die Kinder und der Hofhund einig: Wer jetzt nicht gemeinsam herumtollt, wird es nicht mehr tun.

Alpleben

Eine gute Stunde später stehen Leana und ihre Familie auf Somtgant, mitten im Wandergebiet über dem Dorf Savognin. Hier beginnt der Themenweg zum Leben auf der Alp. Wandernd erfahren und erleben die fünf, was der Unterschied zwischen Milch- und Mutterkühen ist, welche Rolle Glocken spielen und wie es sich in einer Kuhtränke oder im – für Menschen massstabgetreu nachgebauten – Murmeltier-Bau anfühlt. Nach einer stärkenden Rast im Weiler Tigia wird der stellenweise steile Weg zurück ins Tal mit luftbereiften Trottinetts und einer gehörigen Portion Mut fortgesetzt.

Welche dieser Erlebnisse Leana malerisch festhalten will? Das mag die Elfjährige gerade noch nicht verraten. «Ideen aber habe ich für einen ganzen Block.»

Oliver Kerstholt
Oliver Kerstholt

Oliver lebt und arbeitet nach Stationen in St. Moritz, New York, Peking und Hamburg in Zürich. Er ist überzeugter Velofahrer, Snowboarder der ersten Stunde und hat eine tiefe Abneigung gegen Gleichförmigkeit und Langeweile.

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