Event Chur

Öffentliche Führungen "Venedigsche Sterne", Z. Music und N. Möslang

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Öffentliche Führungen "Venedigsche Sterne. Kunst und Stickerei" und "La stanza e la strada". Zoran Music und Norbert Möslang"

Beschreibung

Datum
28.08.2022 von 11:00 bis 12:00 Uhr
Preis
15.00
Ort
Bündner Kunstmuseum

Die Stickerei und insbesondere der Kreuzstich haben in Graubünden eine grosse Tradition. Die reiche Stickerei-Sammlung im Rätischen Museum bietet Anlass, die lokale Stickerei in einem erweiterten Kontext zu betrachten. Gleichzeitig wird aus der Perspektive der zeitgenössischen Kunst die Aktualität dieser künstlerischen Praxis hervorgehoben.

Die Ausstellung zeigt Stickerei aus Graubünden und stellt sie Werken von internationalen Künstlerinnen und Künstlern gegenüber. Dabei wird deutlich, dass die kunsthandwerkliche Tradition Graubündens von Anfang an aus verschiedenen Kulturen genährt war. Die traditionelle Stickerei wirft dabei Fragen auf, die sich heute vor dem Hintergrund anderer gesellschaftlicher und kultureller Erfahrungen neu stellen. Die weiblich konnotierte Handarbeit wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts deutlich aufgewertet und gefördert, gleichzeitig haben Künstlerinnen und Künstler wie Sophie Taeuber-Arp, Alice Bailly und Ernst Ludwig Kirchner wesentlich dazu beigetragen, der Kunst der Avantgarde aus dem Geist des Kunstgewerbes neue Impulse zu verleihen. Jahre später greifen Künstlerinnen und Künstler wiederum zu Nadel und Faden oder schlagen, wie Alighiero Boetti oder Susan Hefuna, mit ihren Werken Brücken über Grenzen und Kulturräume hinweg. Gegenwartskunst mit Stickerei will die traditionelle Ästhetik hinterfragen und aufbrechen. So verwendet Louise Bourgeois für ihre Werke Kleidungsstücke und macht sie zu Trägern emotionaler und psychologischer Zustände. Eliza Bennett, die in ihre eigene Hand stickt, oder Véronique Arnold, die Stickerinnen porträtiert, weisen auf die Arbeitsbedingungen in Industrie und privatem Haushalt hin. Elaine Reichek dagegen analysiert, wie der Faden als Mittel weiblicher Ermächtigung in der antiken Mythologie auftritt und wie diese Geschichten in der europäischen Malerei weiterentwickelt wurden. Dagegen hält Gözde Ilkin Figuren auf der Wanderschaft auf Leintüchern und Bettüberzügen fest und entwickelt so eindrückliche Bilder über die Suche nach dem Zuhause. So geben zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler Nadel und Faden eine neue Kraft, um die Welt von heute poetisch und gesellschaftskritisch zugleich zu imaginieren.

Die von Stephan Kunz und Susann Wintsch kuratierte Ausstellung zeigt neben der historischen Stickerei aus Graubünden Werke von Véronique Arnold (F), Latifa Attaii (AFG), Alice Bailly (CH), Eliza Bennett (GB), Alighiero Boetti (I), Louise Bourgeois (F/USA), Rehab Eldalil, EGY), Susan Hefuna (D/EGY), Gözde Ilkin (TR), Rozita Sharaf Jahan (IR), Ernst Ludwig Kirchner (D), Isa Melsheimer (D), Marisa Merz (I), Irene Posch (A), Sophie Taeuber-Arp (CH), Elaine Reichek (USA), Jean-Frédéric Schnyder (CH), Annegret Soltau (D), Pascale Wiedemann/Daniel Mettler (CH)

Zoran Music (1909-2005) ist ein international bekannter slowenisch-italienische Maler. Er studierte an der Akademie der Schönen Künste in Zagreb und lebte von 1945 bis zu seinem Tod in Venedig. Er war mehrfach an der Biennale Venedig vertreten sowie an der Documenta 1955, 1959 und 1977 in Kassel. Sein stilles, poetisches Werk wurde in renommierten Museen ausgestellt.

Im Auftrag der Schwestern Charlotte und Nelly Dornacher hat Zoran Music in deren Privathaus in Zollikon 1950 einen Festsaal mit Motiven von Venedig ausgemalt. Dieses besondere Werk wurde im Zusammenhang mit der Renovation des Hauses abgelöst und aufwendig restauriert. Die in Chur domizilierte Charlotte und Nelly Dornacher-Stiftung macht nun eine Präsentation dieses Werkes im Bündner Kunstmuseum möglich und erlaubt es, dieses in einem zeitgenössischen Kontext zu entdecken. Die Rekonstruktion des Saals wird als Raum im Raum installiert und verbunden mit einer Klanginstallation des St. Galler Ton-Künstlers Norbert Möslang, der die Klänge des Aussenraums ins Museum bringt und damit dem Wechselspiel von Innen und Aussen weitere Dimensionen verleiht. Zu sehen und zu hören ist die ungewöhnliche Kombination "La stanza e la strada. Zoran Music und Norbert Möslang" im Labor des Erweiterungsbaus.

Karte

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