Gefühlt wie.
graubünden Tourismustag 2026 inspiriert mit emotionalen Perspektiven
Reisen macht glücklich – doch wie können Tourismusverantwortliche gezielt positive Emotionen bei ihren Gästen wecken? Diese Frage hat den Tourismustag 2026 in Chur unter dem Motto «Gefühlt wie.» geprägt. In Referaten und Podiumsdiskussionen wurde aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet, welche Bedeutung menschliche Gefühle beim Reisen haben und wie diese gestärkt werden können. «Gefühle prägen, wie wir Reisen erleben», so Martin Vincenz, CEO von Graubünden Ferien. «Wir können nicht genug lernen, wie wir im Tourismus gefühlsechte Reiseerlebnisse ins Zentrum stellen können.»
Emotionen als Schlüssel zum Gästeerlebnis
Am Branchenanlass von Graubünden Ferien gab es vielseitige Denkanstösse zum Tagungsthema. Nick Martin, Abenteurer und Bestseller-Autor, zeigte auf, welche Botschaften zählen. «Kaufentscheidungen entstehen nicht nur über Preis, Qualität und Fakten, sondern über emotionale Sicherheit», so Martin. Positive Gefühle würden für zwei Drittel der Konsument*innen eine Rolle spielen. Angebote müssten mit Geschichten erlebbar sein. «Das Gefühl von Freiheit, Ausatmen und Erinnerung muss man spürbar machen», so die Empfehlung.
Claudia Schmid von der EHL Hotelfachschule Passugg erklärte die Bedeutung der Affective Hospitality und die Rolle emotionaler Intelligenz. «Affective Hospitality begleitet unsere Studierenden vier Semester lang dabei, ihr emotionales Potenzial zu entfalten», so Schmid. Echte Empathie und Freundlichkeit – wesentliche Eigenschaften von Gastgebenden – müssten zuerst selbst gelernt werden, bevor diese anderen in emotionalen Situationen gezeigt werden könnten.
Durch Technologie beeinflusst
Nicolas Sol von Booking.com beleuchtete, wie Künstliche Intelligenz (KI) das Buchungsverhalten beeinflusst. «KI verändert die Art und Weise, wie Menschen Reisen planen», sagte Sol. Schon heute würden 67 % der User KI in irgendeiner Weise fürs Reisen nutzen. Die Buchungsplattform selbst brauche KI, um den Gast besser zu verstehen, Inhalte zu personalisieren und zur Schaffung eines nahtlosen Services. Die emotionale Bindung liege in der individuellen Ansprache.
Guido Berger von der SRF-Digital-Redaktion erklärte das Design-Konzept Compulsion Loop (Zwangsschleife). Es beschreibt die vielen cleveren Tricks, mit denen Apps psychologische Schwächen ausnutzen und jedes Jahr etwa 350 Milliarden Franken umsetzen. Ein ständig neuer Kreislauf zwischen Versprechen, Herausforderung und Belohnung. Wer dies auf sein eigenes Angebot zu übertragen weiss, kann aus diesem Modell durchaus Vorteile ziehen.
Grosse Gefühle dank Sportevents
Peter Barandun, Präsident von Swiss-Ski, zeigte auf, wie der Spitzensport für Emotionen sorgt. «Swiss-Ski begeistert die Schweiz für den Schneesport und bringt die Besten an die Spitze», sagte er. Strahlkraft würde dort entstehen, wo hohe Reichweite auf maximale Emotion treffe – «und genau das liefern Grossevents. Wengen, Adelboden, Kitzbühel: Das sind die wenigen Momente, in denen die ganze Schweiz gleichzeitig hinschaut. Dies sind Marken, die ganze Regionen sichtbar machen.»
Auch die Ansage von Unternehmer Michael Hartweg am Tourismustag war eindeutig: «I have a dream.» Der sportbegeisterte Familienmensch unterstützt die Vision der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2038 in der Schweiz. «Sportevents erzeugen starke Emotionen», betonte auch er. Und wie schon bei der Biathlon-WM 2025 in Lenzerheide – als aus einem Traum Realität geworden sei – könne mit Switzerland 2038 erneut Geschichte geschrieben werden.
USA: Freude und Sorge
Für den Schweizer Tourismus sind die USA heute so bedeutend wie Deutschland. Auch Graubünden ist zunehmend beliebt: Jedes Jahr kommen neue US-Logiernächte in der Bündner Hotellerie hinzu, 2025 waren es 26'000 Übernachtungen mehr. Graubünden Ferien bewirbt die USA und weitere Fernmärkte in Kooperation mit HotellerieSuisse Graubünden. Zur Freude kommt die Verunsicherung. Schon lange wird ein Rückgang der Nachfrage aus den USA prognostiziert.
Peter Düggeli, Moderator SRF Club und ehemals Washington-Korrespondent, rechnet weiterhin mit vielen US-Gästen in der Schweiz. Unabhängig von der aktuellen Politik. Amerikaner seien auch nicht wechselkurssensibel. Er empfahl, für diese Gästegruppe echte Begegnungen zu schaffen. Dies beginne oft im Kleinen, auch bei spontanen Komplimenten. «In den USA sind die Menschen viel kontaktfreudiger», so Düggeli. Die Schweiz überzeugt mit ihrer Qualität und guter Infrastruktur.
Fokus 60plus
Veronica Weisser von UBS Schweiz zeigte touristische Chancen aufgrund der demografischen Entwicklung auf. Die Demografie-Expertin erklärte jüngst im htr-Podcast «Destination Switzerland», warum die Generation 60plus zur wichtigsten Zielgruppe wird. Sie reist häufiger, verfügt über Vermögen und erwartet Komfort sowie einfache Abläufe. Gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel: Betriebe müssten attraktivere Arbeitsbedingungen bieten, so Weisser.
Ludwig Hasler, Autor und Philosoph, bestätigte die Bedeutung von Emotionen in der Gästebeziehung. «Atmosphäre wird erzeugt durch emotionale Aufmerksamkeit», sagte Hasler. Die Tourismusbranche habe sogar eine gesellschaftliche Rolle über die Emotionalität. «Nur Gastgebende können mich aus der Routine holen und überraschen.»
Grosses Interesse der Tourismusbranche
Der Tourismustag mit rund 170 Teilnehmenden hat erneut bewiesen, dass es ein starkes Interesse an Wissensaustausch und Best-Practice-Beispielen in der Branche gibt. Dienstleistende und Fachkräfte aus dem Tourismus konnten von den präsentierten Erkenntnissen profitieren. Der Branchenanlass hat verdeutlicht, dass emotionale Erlebnisse und authentische Gästeerfahrungen mehr denn je im Zentrum erfolgreicher Tourismusstrategien stehen.
Die Moderation des Anlasses übernahm Oceana Galmarini. Künstlerisch begleitet wurde der Tourismustag von der Tanzgruppe Moving Mountains.
Generalversammlung und Inspiration Night am Vortag
Am Vortag des Tourismustages, am 27. Mai 2026, fand die Generalversammlung von Graubünden Ferien mit anschliessender Inspiration Night statt. Präsident Jürg Schmid zeigte sich vor den Mitgliedern und Gästen in Chur überzeugt, dass der Tourismus langfristig weiter zulegen wird – dies trotz globaler Unwägbarkeiten. Zu den brancheneigenen Herausforderungen gehören laut Schmid eine Steigerung der Auslastung übers Jahr sowie eine Verlängerung der Aufenthaltsdauer. Beides ist Teil der Strategie von Graubünden Ferien.
Der Erfolg des Tourismus misst sich aber nicht nur an Logiernächten oder Frequenzen, wie Regierungsrat Marcus Caduff im Grusswort an der Generalversammlung betonte. «Entscheidend ist auch, dass die Menschen vor Ort weiterhin gerne Gastgeber sind. Deshalb müssen wir uns bewusst mit der Tourismusakzeptanz auseinandersetzen und gemeinsam Lösungen für Herausforderungen wie Verkehr, Hotspots oder die Wohnsituation finden», appellierte Caduff an die Tourismusbranche.
Einige Highlights zum Berichtsjahr 2025:
- 9 Marketing-Kampagnen mit 35 Allianzpartnern
- 2'886'228 Sitzungen auf graubuenden.ch
- 250'362 Newsletter-Abonnent*innen
- 973 Posts auf Social Media
- 89 Medienreisen
Bilder graubünden Tourismustag 2026
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Kontaktperson
Bei Fragen können Sie sich gerne an Claudia Markoff Schmied, Projektleiterin graubünden Tourismustag, wenden. Telefonisch erreichbar von Montag bis Donnerstag unter +41 (0)81 254 24 55.