Coaching von Berg bis Tal.

Eine Abfahrt unter der Lupe eines Skeachers

Skeacher in Obersaxen (© Andi Speck)
Im Skigebiet Obersaxen Mundaun bieten Ski- und Snowboardlehrer direkt auf der Piste spontane Skikurse an. Claudia Jucker hat sich auf einen sogenannten Skeacher eingelassen und festgestellt: Der Spontankurs verhilft zu einem ganz neuen Fahrgefühl.

Von Claudia Jucker

Der Sessellift schubst uns bei 2161 Höhenmeter auf der Bergstation Stein im Skigebiet Obersaxen Mundaun sanft aus dem Sessel und wir gleiten langsam zum Pistenanfang, wo wir vor die Wahl zwischen der blauen, roten oder schwarzen Abfahrt gestellt werden. Bevor wir uns für eine Farbe entscheiden, werden wir am Pistenrand freundlich und charmant von komplett in rot gekleideten Männern angesprochen. Sie führen uns zu ihrem Stand, der mit einer Fahne gekennzeichnet ist auf der Skeacher – Snow Coach steht, und erzählen, was sie mit uns vorhaben. Wir hören neugierig zu. Unser Interesse ist geweckt.

Briefing (© Andi Speck)
Briefing (© Andi Speck)

Der Skikurs für Kurzentschlossene 

Die Männer in rot, Erwin, Kilian, Florian und Pascal, stellen sich als ausgebildete Ski- und Snowboardlehrer der Skischule Obersaxen vor und erklären uns, was hinter dem Konzept Snow Coach steht. Als sogenannte Skeacher, eine Mischung aus Skills-Teacher und Ski- und Snowboardlehrer, bieten sie kurz entschlossenen Pistengästen an, sie während einer Abfahrt zu begleiten und zu coachen. Dank ihres grossen Erfahrungsschatzes und dem geschulten Auge können sie so den Schneesportlern gezielte Tipps geben.

Spontane Skischule für Erwachsene. Was können wir dabei schon verlieren?  

Auf den ersten Blick mag dieses Konzept etwas unkonventionell scheinen, aber wir, die normalerweise unsere Kinder in die Skischule anmelden und dabei hoffen, noch einen der begehrten Plätze zu erhaschen, lassen uns spontan auf dieses Experiment ein. Skischule für Erwachsene. Was können wir dabei schon verlieren?  

Und man lernt ja bekanntlich nie aus. Also begeben wir uns in die Hände von Erwin, einem sehr versierten Skeacher, und wähnen uns während der Abfahrt in unsere Kindheit zurückversetzt. Wir machen verschiedene Übungen, wie zum Beispiel abwechselnd mit nur einem Ski fahren, und entwickeln so ein ganz neues Fahrgefühl. Immer wieder machen wir Halt und Erwin gibt uns ein Feedback zu unserem Fahrstil. Seine Verbesserungsvorschläge sind konstruktiv und wir freuen uns über die reichhaltigen Tipps. Die Inputs setzen wir direkt um, und es ist erstaunlich, wie sich das Finetuning dieser einen Abfahrt auf den restlichen Tag auswirken wird. Beim Verschnaufen verrät uns Erwin auch noch, wo es die besten Take-Aways gibt und wo sein liebster Winterwanderweg entlangführt. Wir gewinnen also auf allen Ebenen und geniessen die Abwechslung auf der Piste.  

Skeacher in Obersaxen (© Andi Speck)
Wenn unsere Kinder wüssten, dass auch wir mit einem Skilehrer unterwegs sind, fänden sie das lustig.

Parallel zu uns hat sich Kilian mit einer kleinen Gruppe Snowboarder auf den Weg ins Tal gemacht. Auch die Snowboard-Gang ist begeistert von den massgeschneiderten Kniffs, die sie von Kilian mit auf den Weg bekommen haben. Sie erzählen enthusiastisch, was sie in dieser kurzen Zeit gelernt haben, als wir sie nach der Abfahrt wieder treffen. 

Gruppe Snowboarder mit Skeacher (© Andi Speck)
Skifahrer mit Skeacher (© Andi Speck)
Die Abfahrt mit dem Skeacher war für mich eine grosse Bereicherung. Ich fahre nun viel sicherer.

Reto aus St. Gallen

Auch für die Skeacher selbst ist dieses Modell, das seit drei Jahren in 13 Skigebieten in Graubünden umgesetzt wird, ein Vorteil. Sie profitieren von diesem Coaching und werden so dank dem genauen Beobachten der Gäste mit jeder Abfahrt um Erfahrungen reicher. Diese können sie dann in den nächsten Privat- oder Gruppenunterricht einfliessen lassen. Erwin wie auch Kilian meinen, es wäre anfangs etwas ungewohnt gewesen, die Gäste so direkt anzusprechen. Doch viele freuen sich und nehmen das Angebot an. Pascal, der Leiter der Skischule, fügt hinzu, dass die Gäste so die Möglichkeit haben, bei ihnen in Obersaxen mit einer kleinen Abfahrt einen grossen Schritt vorwärts zu kommen und ihre persönliche Zufriedenheit auf ihrem Schneesportgerät enorm zu verbessern.

Erfolg ist eine Treppe, keine Tür.

Pascal Schulleiter Skischule Obersaxen 

Skeacher in Obersaxen (© Andi Speck)

Für uns hat sich dieses spontane Ski-Experiment gelohnt und wir sind auf den Geschmack gekommen. Uns wurde bewusst, dass wir all die Jahre immer in gute Ski- und Snowboardausrüstung investiert haben, dabei aber vergessen haben, wie wichtig es ist, auch an uns selbst und an unserer Haltung zu arbeiten. Das hat uns dazu bewogen, bei Erwin für den Folgetag zwei Privatlektionen zu buchen. Und wir sind sicher, auch unsere Kinder profitieren von unseren neu gewonnen Ski-Skills.  

Bei der Bezahlung bleibt es unkompliziert. Und je mehr Leute dabei sind, desto günstiger wird der Skeacher-Dienst. Diesen bezahlt man am Ende der Abfahrt direkt. Am liebsten bar auf die Hand oder bargeldlos mit der Mobile Payment App TWINT.  

Preise

  • 1 Gast: CHF 39.00 
  • 2 Gäste: CHF 25.00 pro Gast 
  • 3 Gäste: CHF 20.00 pro Gast 
  • 4 Gäste: CHF 15.00 pro Gast 

Info

Seit 2019 bieten 13 Skigebiete in Graubünden den Skeacher-Service an. Dabei gehen die Ski- und Snowboardlehrer aktiv auf die potenziellen Kunden zu und bieten ihre Dienste an. Man trifft sie zu Randzeiten, an Wochenenden und nach Verfügbarkeiten auf der Piste oder an einem extra dafür aufgebauten Stand an. Die Skeacher tragen eine gut erkennbare Armbinde am rechten Arm.

Corona-Schutzkonzept

Mittels Ausfüllen der Gästekontaktkarte hat die Skischule Obersaxen die Möglichkeit, ihre Skeacher Gäste im Falle eines Covid-Falles umgehend zu informieren.

 

Fotos: © Andi Speck

 Claudia Jucker

Autorin.

Claudia Jucker

Claudia Jucker hat schon als Kind Reisebücher gestaltet und wird bis heute in ihrem Freundeskreis für Ideen rund ums Reisen angezapft. Claudia liebt das Abenteuer und die Natur und lebt mit ihrer Familie in Zürich.