Die Heimat des Schellen-Ursli.

Bergdorf Guarda

Dorfbrunnen im Bergdorf Guarda im Unterengadin
Im Sommer bringen Autobusse täglich mehr Touristen nach Guarda als das Dorf Einwohner hat – die 26 Ziegen, 256 Rindviecher und 21 Pferde mitgezählt. Der Grund dafür ist rasch erklärt: Erstens gehört Guarda zu den schönsten Orten des Landes. Und zweitens wurde hier die Geschichte vom Schellen-Ursli geboren.
Guarda im Unterengadin

Guarda? Guarda heisst in der rätoromanischen Sprache Vallader soviel wie «schauen», «sehen». Der Name des Dorfes im Unterengadin ist treffend ­– nicht viele Orte können mit einem solchen Panorama aufwarten. Guarda ist das Glück beschert, auf einer Sonnenterrasse erbaut worden zu sein, 300 Meter über dem Talfluss, dem Inn. Deshalb können die Bewohnerinnen und Bewohner genüsslich «auf die dort unten», herabsehen, die länger im Winterschatten ausharren müssen.

Mit Sgraffito verzierte Häuser in Guarda, Unterengadin

Würde nicht manchmal ein von einem Traktor und nicht von einem Ochsengespann gezogener Heuwagen durch die Gassen von Guarda verkehren, man würde sich in der Mitte des letzten Jahrhunderts wähnen. Zum Beispiel im Jahr 1945, als Selina Chönz die Geschichte des Schellen-Urslis schrieb. Für die Illustration des Kinderbuchs wählte Alois Carigiet das Haus Nr. 51 als Schellen-Urslis Elternhaus. Seine wuchtige, aus Lärchenholz bestehende Türe ist wohl eine der bekanntesten Türen der Schweiz.

Guarda im Unterengadin

Sie gelten als schlau, die Leute von Guarda. Dank dieser Gabe haben sie ihr Dorf herausgeputzt, als würde hier demnächst ein Filmteam aus Hollywood erwartet. Die Pflege hat sich gelohnt, doch statt der Filmleute kamen zuerst Denkmalpfleger und Heimatschützer. Sie kürten Guarda zu einem der schönsten Dörfer der Schweiz. Deshalb erhielt es schon 1975 den begehrten Wakker-Preis. Der Lohn für die Pflege und somit den Erhalt des Ortsbildes.

Chalandamarz in Guarda

Da sind sie wieder, die Buben von Guarda, an einem 1. März. Es ist Chalandamarz, ein alter Brauch, bei dem lautstark der Winter ausgetrieben wird. Die drei Akteure geben alles, um ihrer «Plumpa» – den grössten Kuhglocken – ununterbrochen laute Klänge zu entlocken. Für die kleineren Teilnehmer reicht es jeweils nur zu einer «Talac», einer kleinen, flachen Kuhschelle. Die müssen dann einfach noch heftiger geschüttelt werden, damit dem Winter der Garaus gemacht werden kann.