Event Disentis Sedrun

Cirkus Giroldon

Beschreibung

Sie brechen von ihrer Heimatbasis im Kanton Tessin in der Schweiz auf. Sie sind ein

Schauspieler-Clown-Paar, und ihr Zirkus heisst GiroldÒn, «der kleinste

Europas». Von den südlichen Voralpen aus, wo sie bei Gross und Klein gut bekannt sind,

machen sie sich jedes Jahr auf den Weg in verschiedene europäische Länder und treten mit einer gewissen

Regelmässigkeit auch in die Tschechische Republik.

Es handelt sich jedoch um einen ganz besonderen Zirkus, gewagt und gefährdet, anders als die anderen,

und das nicht nur in seiner Grösse. Sie treten inkognito und an abgelegenen Orten auf,

wohin sie der Zufall, die Einladung von Freunden oder das Gespür der Komödianten selbst führt, das

ihnen suggeriert, dass sie von Gleichgesinnten erwartet werden. In ihrem Programm und in ihrer

Kunst gibt es jedoch nichts, was auch nur im Entferntesten heimlich oder zufällig wäre.

Die Besonderheit und vielleicht sogar das Alleinstellungsmerkmal des Zirkus Giroldon führt dazu, dass man ihn als «Kammerzirkus»

und «handwerklich» bezeichnet. Als Kammerzirkus wegen der Anmut seiner Absichten und der Art des

Spiels. Handwerklich, da die beiden Naturkünstler ganz allein sowohl das

Drehbuch und die Dialoge als auch die Regie und die Choreografie ihrer eigenen Vorstellungen gestalten. Aber

wenn es nur das wäre! Ganz allein vereinbaren sie die Engagements, ganz allein transportieren sie sich an den

(mit dem Zirkuszelt, dem Material und dem gesamten Inventar), sie richten

die Manege selbst ein, verkaufen selbst die Billette und weisen dem Publikum die Plätze zu. Erst nachdem

sie sich wie ein ganzes Team von Kollegen (in einem normalen Zirkus) abgerackert haben, können

sie endlich ihre eigentliche Rolle übernehmen. Und dies würde sicherlich weder vor dem

Publikum noch vor dem Gewissen der beiden Künstler bestehen, wenn es nicht

gelänge, die Aufmerksamkeit zu fesseln, zu begeistern, zum Lachen zu bringen und durch die

Konzentration, die volle Hingabe und das hohe Niveau der Darbietung der Clowns und

Schauspieler zu überzeugen.

Eine solche Unabhängigkeit und das völlige Vertrauen in die eigenen Kräfte und

Fähigkeiten lassen sich, wie jeder verstehen kann, nicht über ganze Jahre hinweg

allein durch blosse Notwendigkeit oder Sturheit aufrechterhalten. Die unerschöpfliche Quelle ihrer

Energie kann nur ein unerschütterlicher Glaube an den Fortschritt sein, dem sich Lenka

Foletti Machoninova und Alberto Foletti sich verschrieben haben oder vielleicht sogar schon dazu geboren wurden und dem sie

sich vorbehaltlos hingeben. Er steht im Zusammenhang mit der Vertrautheit und Handwerkskunst ihrer

Arbeit und wirkt auf die Zuschauer vor allem wie ein bescheidener und stiller

Protest, einer zarten Revolte gegen eine Welt, die völlig technisiert und

elektrifiziert und zugleich in ihren Emotionen und Gefühlen verkümmert ist.

Beide Clowns geben keine Erklärungen ab. Sie betonen lediglich, dass für die

Welt, in der sie existieren, Kraft, Erfolg und Leistung niemals

die höchsten Werte sein werden. Auch deshalb gestatten sie den gleichgültigen und

blutrünstigen Zuschauern nicht, sich am Anblick des Schweisses, der verzerrten Gesichter und des Gewirrs der Körper

der modernen Gladiatoren zu ergötzen. Im Zirkus Giroldòn kommen hinter der Anstrengung, der perfekten Beherrschung des Handwerks und

der unglaublichen Konzentration das Lächeln, das Vertrauen und die innere

Sicherheit. Von ihm geht eine Atmosphäre der Verbundenheit, der menschlichen Nähe und der

Geborgenheit aus. Im direkten Kontakt mit der Arbeit der beiden Clowns verliert man die abstrakte und graue

Vorstellung vom Menschsein und entdeckt dessen nüchterne und ganz konkrete

Bedeutung.

Lenka und Alberto sind keineswegs «Aktivisten» der Menschheit oder irgendeiner

Ideologie. Sie bleiben gewissenhafte Clowns, die einen Zirkus am Laufen halten. Ihre Kunst besteht darin,

Lachen hervorzurufen, mit unerwarteten Wendungen und Verkleidungen zu überraschen sowie

Spannung durch mutige, präzise Akrobatik- und Schauspielnummern zu erzeugen. Das, was

undefinierbar ist, diese starke menschliche Präsenz, ist vielleicht das Ergebnis der handwerklichen

Identifikation mit der Arbeit, die bei ihnen im Überfluss vorhanden ist und eine mögliche – und

heute notwendige – Überwindung der Banalität und des ermüdenden Konsums der Langeweile gewährleistet.»

Karel Kraus, Dramatiker,

Veranstaltungsort

Verantwortlich für diesen Inhalt: Sedrun Disentis Tourismus SA.

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