Event Valposchiavo
Pasticcieri grigionesi e valposchiavini in Italia
Beschreibung
Bei großem Andrang findet um 16:15 Uhr eine zweite Buchpräsentation statt.
Vorstellung des Buches „La dolce vita“ (2026) durch den Autor und Journalisten Lorenzo Cresci. Im Rahmen der Veranstaltung wird die Geschichte der Bündner Konditoren auf der italienischen Halbinsel anhand der wichtigsten Ereignisse und Aktivitäten erzählt, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Auswanderung aus dem Poschiavo liegt.
Viele Bündner Zuckerbäcker haben auch im Nachbarland Italien gearbeitet. Das beweisen noch heute wohlklingende Namen wie jene des Defilla in Chiavari (Ligurien), des Café Gilli in Florenz oder des Cafés Sandri in Perugia. Andere existieren nur noch in der Erinnerung oder man kennt sie vom Hörensagen. Lorenzo Cresci, ein italienischer Journalist, der für das Gastromagazin «Il Gusto» der Zeitung «La Repubblica» arbeitet, ist diesem Kapitel der italienischen Einwanderungsgeschichte nachgegangen. In einem Buch zeichnet er Stadt für Stadt ein Mosaik geschäftlicher Aktivitäten von Bündnern Zuckerbäckern in Italien nach. Am 22. August ist Lorenzo Cresci Gast im Museo poschiavino (Palazzo de Bassus-Mengotti) und stellt das Buch vor - passend zur derzeit laufenden Sonderausstellung «Zuckerbäcker – Puschlaver Abenteuer in Europa».
Nach einer Tagung im September 2025, während der den Spuren ausgewanderter Bündner Zuckerbäcker in verschiedenen Ländern Europas nachgegangen wurde, steht dieses Jahr deren Wirken im Nachbarland Italien im Mittelpunkt, ein Aspekt, den wir in unseren Geschichten über die Emigration bisher noch nicht beleuchtet haben.
Kulturelle Vielfalt und viele einzelne Geschichten bilden zusammen ein faszinierendes Ganzes: Die Bündner Zuckerbäcker bildeten eine Bewegung, die heute noch in der Erinnerung und in Schweizer Museen existiert, die aber in Italien selbst bisher nie umfassend und systematisch beleuchtet wurde.
Zwischen dem 18. und dem 20. Jahrhundert eröffneten tausende neue Konditoreien und machten Gebäcke und Süssigkeiten auch ausserhalb der noblen Palazzi populär. Und die meisten dieser Betriebe hatten eines gemein: Ihre Schweizer Herkunft. Im Jahr 1848 standen allein in Florenz 27 von 68 Kaffeehäusern unter Bündner Leitung, in Triest gar 21 von 37.
Die “Zuckerbäcker” beschränkten sich nicht bloss darauf, süsse Gebäcke zu backen oder darin Milch zu verarbeiten. Sie waren Meister darin, epochale Neuerungen in ihr Fach einzubringen und laufend neue Geheimzutaten zu verwenden. So brauchten sie Butter, fügten ihren Desserts Kaffee zu, oder produzierten mit Kräutern Liköre und Biere. Sie investierten auch in das Erscheinungsbild ihrer Betriebe, beispielsweise in ausladende Vitrinen oder elegante Marmortische. Im Café Gilli in Florenz entstand der Futurismus, in anderen Städten waren die Kaffeehäuser Treffpunkte der liberalen Bewegung «Giovine Italia» von Mazzini.
Caflisch in Neapel, Caviezel in Catania, die eleganten römischen Kaffeehäuser, Schweizer Betriebe in Massa und Carrara, die Familie Klainguti in Genua: Diese vergangene Geschichte lebt heute noch weiter, zum Beispiel in der Helvetia-Torte in Mantova, in den «Amor» von Pontremoli und Borgotaro; sie bleibt lebendig in den Nachfahren der Gründer, welche die Betriebe bereits in vierter oder fünfter Generation weiterführen. Es begann in der Vergangenheit, aber das süsse Herz der Bündner schlägt noch heute.
Diese Zeit des revolutionären Umbruchs nennt Lorenzo Cresci “La dolce vita”/”Das süsse Leben”– weil es um Torten, Schokolade und Eis geht, aber auch um Kaffee und Likör. Und daraus lässt sich die Geschichte einer Reise “der Schweizer» durch Italien ableiten, die in der Vergangenheit begann, und die heute noch in vielen Schweizer Kaffeehäusern weiterlebt.
Das Buch “La dolce vita. Un popolo di pasticceri e il loro sogno rivoluzionario” (Verlag MultiVerso, mit einem Vorwort von Iginio Massari) stellt Autor Lorenzo Cresci und Verleger Mario Cucci in der “stüa bella” des Palazzo de Bassus-Mengotti in Poschiavo am Samstag, 22. August 2026, um 14.30 Uhr vor.
Wir bitten um Voranmeldung bis Freitag, 21. August, unter Telefon 081 834 10 20 oder per E-Mail unter info@musei-valposchiavo.ch. Im Falle grossen Interesses wird die Buchvorstellung um 16.15 Uhr wiederholt – bitte teilen Sie uns ihr entsprechendes Interesse mit.
Veranstaltungsort
Museo Poschiavino
Palazzo de Bassus-Mengotti, 7742 Poschiavo
Verantwortlich für diesen Inhalt: Fondazione Musei Valposchiavo.
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