Von Chur nach Poschiavo.

Ausflug mit dem Bernina Express

Der Bernina Express in der Montebellokurve (Foto: © Rhätische Bahn / Christoph Benz)
Die Fahrt mit dem Bernina Express von Chur nach Tirano wurde von den Graubünden-Fans zu den Top-12-patgific-Erlebnissen gewählt. Wir zeigen Ihnen mit unserem Programmvorschlag, wie vielseitig ein Tagesausflug mit dem Panoramazug auf der UNESCO-Welterbestrecke der Rhätischen Bahn ist.  

8.32 Uhr.

Einsteigen, zurücklehnen, geniessen

Unsere Reise startet am Bahnhof in Chur. Ein zweieinhalbstündiges Reisevergnügen bis zur Alp Grüm liegt vor uns. Wir lassen die Alpenstadt an uns vorbeiziehen, während uns die freundliche Mitarbeiterin vom Bordservice Kaffee mit Churer Nusstörtli serviert. Der Bernina Express rauscht an Churs Vororten vorbei, raus in die Peripherie, um dann nach Thusis in der wilden Schynschlucht zu verschwinden. Wir fahren über den Solisviadukt, mit 85 Metern die dritthöchste Eisenbahnbrücke der Schweiz. Der Viadukt ist ein Vorgeschmack auf die weiteren, meisterhaften Eisenbahnbauwerke, welche uns entlang des UNESCO-Welterbes Albula- und Berninalinie erwarten.

Tipp: Halten Sie Kamera oder Smartphone stets bereit, denn schon vor dem Landwasserviadukt hat die Landschaft entlang des Burgenlandes Domleschg und des Albulatals mit der Schynschlucht und seinen Bergdörfern viele schöne Motive zu bieten. Wichtig zu wissen: Die Fenster im Bernina Express können nicht geöffnet werden.

Der Bernina Express (Foto: © Nadja Maurer)

9.30 Uhr.

Landwasserviadukt

Der Nebel hängt in den Wäldern fest. Wir lassen die mystische Szenerie auf uns wirken, lehnen uns – ganz patgific – in den komfortablen Zugsitzen zurück. Von Weitem erhaschen wir bereits einen ersten Blick auf den Landwasserviadukt. Wir gehen am Zugfenster in Position, um die Überfahrt mit dem Smartphone festzuhalten. Dann geht es schnell: Der Bernina Express rattert über den 68 Meter hohen Landwasserviadukt. Am Ende der Brücke verschlingt uns eine mächtige Felswand, die uns kurz vor dem Bahnhof Filisur wieder ausspuckt.

Tipp: Der Landwasserviadukt ist eine von 196 Brücken entlang der UNESCO-Welterbe-Strecke zwischen Thusis und Tirano. Für die beste Sicht auf den Viadukt bei der Überfahrt sitzt man in Fahrtrichtung rechts. Zur bauhistorischen Geschichte.

10.00 Uhr.

Verwirrspiel

Wir gönnen uns ein Glas Schaumwein aus Bündner Trauben und geniessen dabei die Fahrt in Richtung Albulapass. Wir werden Zeugen eines Verwirrspiels: Gleich vier Mal wechselt der Zug die Talseiten. Die Kehrtunnels zwischen Bergün und Preda machen die Verwirrung perfekt. Oder ist es der Prosecco?

Dann wird es dunkel. Wir sind im Albulatunnel.

Tipp: Der Bordservice im Bernina Express serviert den Gästen Getränke und Snacks direkt an den Sitzplatz.

10.40 Uhr.

Pässe, Gletscher, Seen

Im Engadin, auf der anderen Seite des knapp sechs Kilometer langen Albulatunnels, werden wir von der Sonne begrüsst. Wir lassen die Enge des Albulatales hinter uns und gelangen durch die Val Bever auf die Engadiner Hochebene. In Pontresina können wir aus dem Zugfenster den Morteratschgletscher und seine eindrückliche Gletscherzunge sehen. Es folgt der Anstieg auf den Berninapass. Auf der Passhöhe eröffnet sich uns ein wundervoller Blick auf den Lago Bianco, der sich im schönsten Smaragdgrün präsentiert. Der Zug schlängelt sich dem Seeufer entlang, vorbei am Ospizio Bernina, und nimmt auf Höhe der Staumauer die Abfahrt in Angriff.

Tipp: Wer in Fahrtrichtung rechts sitzt, hat den besten Blick auf den Gletscher und den Lago Bianco.

11.00 Uhr.

Pizzoccheri mit einmaliger Aussicht

Auf der Alp Grüm verlassen wir den Bernina Express für einen Mittagsrast. Hier kann man entweder im gleichnamigen Restaurant am Bahnhof einkehren. Oder man marschiert wie wir rund 350 Meter den Weg hinauf zum Restaurant Belvedere. Dort wartet auf uns ein traumhafter Ausblick auf die Valposchiavo bis hin zu den Bergamasker Alpen. Rechter Hand präsentiert sich stolz der Piz Palü mit seiner Gletscherlandschaft.

Tipp: Die hausgemachten Pizzoccheri im Restaurant Belvedere (mit einer ordentlichen Portion Knoblauch) sind ausgezeichnet.  

Das Restaurant Belvedere auf der Alp Grüm (Foto: © Nadja Maurer)
Pizzoccheri im Restaurant Belvedere auf der Alp Grüm (Foto: © Nadja Maurer)

12.30 Uhr.

Kühne Wanderung durch die Asciai da Palü

Nach der Zugfahrt und dem Mittagsrast wollen wir uns die Füsse vertreten und wandern von der Alp Grüm nach Cavaglia. Fast 400 Tiefenmeter und 3,2 Kilometer liegen vor uns. Der Wanderweg führt zunächst runter an den Lago di Palü, bekannt für sein milchiges Gletscherwasser. Anschliessend folgen wir dem Weg durch die Schlucht Asciai da Palü. Der Wanderweg ab dem Stausee ist stellenweise sehr steil und felsig mit ausgesetzten Passagen. Gute Wanderschuhe sind erforderlich. Der anspruchsvolle Pfad kann der wilden Landschaft jedoch nichts abtun. Die Wasserfälle führen vom regnerischen Vorabend viel Wasser und stürzen tosend die steilen, grünen Felswände hinunter.

Tipp: Wanderung Alp Grüm–Cavaglia (Via Palü), 1 Std. Nur mit guten Wanderschuhen zu empfehlen.

Ausblick auf den Palü Gletscher (Foto: © Nadja Maurer)

14.00 Uhr.

Gletschermühlen

Nach rund einer Stunde erreichen wir die Cavaglia-Ebene. Die Beine vom steilen Abstieg etwas müde, gönnen wir uns beim Bahnhof im Restaurant Stazione Cavaglia eine kleine Pause. Ein Fussweg führt den Zuggleisen entlang in knapp 10 Minuten zum Gletschergarten. Über Jahrtausende hinweg haben Gletscherwasser, Schutt und Kies den harten Felsen bearbeitet und riesige Löcher tief in den Grund hinein gemahlen. Der Gletschergarten ermöglicht einen Blick auf diese bizarren Erosionsformen. Im neuen Teil des Gletschergartens in der angrenzenden Cavagliasco-Schlucht, der im Sommer 2021 eröffnet wurde, kann man bestaunen, mit welcher Kraft und Lautstärke das Wasser durch die Felsen rauscht.

Tipp: Der Gletschergarten ist von März bis Oktober zugänglich. Der Eintritt ist kostenlos.

15.58 Uhr.

Im Zick-Zack nach Poschiavo

Die Rhätische Bahn bringt uns ab Cavaglia im Zick-Zack talwärts nach Poschiavo. Während der Fahrt überquert der Zug zweimal die Cavagliasco-Schlucht. Immer wieder sehen wir durch die Waldlichtungen das Städtchen Poschiavo, wo uns prächtige Palazzi und ein charmanter Dorfkern erwarten.

Ausblick auf das Bergdorf Poschiavo (Foto: © Nadja Maurer)

16.22 Uhr.

Endstation – oder nicht?

Eben noch auf der ländlichen Alp Grüm, weht uns in Poschiavo eine Brise Italianità entgegen. Wir geniessen das südländische Flair bei einem Bummel durch das historische Städtchen. Die Lust nach Gelati kommt auf. Wir werden im Bio-Bistrò Semadeni auf dem lebendigen Dorfplatz fündig.

Zurück nach Chur geht es mit dem Regionalzug oder man reserviert für die Rückfahrt nochmals einen Sitzplatz im Bernina Express. Wir freuen uns, alle Höhepunkte der Welterbe-Strecke ein weiteres Mal sehen zu können. Noch nie war Heimreisen so schön.

Tipp: Wer in der Valposchiavo bleiben möchte, findet im Tal tolle Unterkunftsmöglichkeiten. Empfehlenswert ist beispielsweise das Sporthotel Raselli in Le Prese am Lago di Poschiavo. Wer dort nächtigt, darf sich im hoteleigenen Restaurant keinesfalls die knusprige Pizza aus dem Holzofen entgehen lassen. Der Teig ist hausgemacht und aus Puschlaver Bio-Weizenmehl. Wenn wir nochmals wählen sollten: Es wäre die Pizza Le Prese.

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Bernina Express

Bernina Express. Information und Reservation

Erleben Sie die spektakulärste Alpenüberquerung: Die Panoramafahrt durch das UNESCO Welterbe mit dem Bernina Express verbindet Sprachregionen und Kultur. 

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Mann in Hängematte im Calancatal (Copyright: Fabian Künzel)

Von den Fans gewählt. Die Top-12-patgific-Erlebnisse

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Nadja Maurer, GRF Mitarbeiter

Autorin.

Nadja Maurer

Nadja Maurer ist mit Stift und Kamera bepackt für Graubünden Ferien unterwegs und berichtet über spannende Erlebnisse von Feriengästen und neuen Abenteuern in Graubünden.